Die Berufung des Janus
by rockrebell - November 30th, 2011.Filed under: Fragmente.
Ein weiteres Fragment aus der Geschichte von Janus, dem Suchenden. Es wird wohl Zeit, dass ich dieses Buch endlich schreibe…
… doch schon die Tat des Ursprungs, ist nicht mehr reine Schöpfung.
Du, Janus, selbst ich, oder alles sonst, wir sind sowohl Wirkung als auch Ursache. Die reine Ursache aber, Janus, liegt weder im Innen, noch im Aussen.
Du, Janus, und viele vor Dir, und noch mehr nach Dir, sind auf der Suche nach dem reinen Ursprung, dem Akt der Schöpfung. Doch weder Start, noch Ziel, sind Gegenstand dieser Suche. Sie ist in ihrem eigentlich Sinne vergebens, und doch lohnenswert.
Denn niemals kann das Ziel Ursprung sein, das Ziel ist immer Wirkung. Und selbst der Anfang einer Suche ist nicht reine Ursache, ihr voran geht der Wunsch. Wünsche aber entstehen durch uns, die beseelten Wesenheiten, ob Mensch, ob Tier, oder Pflanze, oder Geistwesen.
Wir alle sind Kinder des reinen Ursprungs, dessen, zu dem wir nie wieder zurückkehren können. Welchen Sinn hätte die Schöpfung, würde etwas von dem “Danach” in das “Davor” gelangen können? Es gibt kein “Davor”. Der Ursprung, aus dem alles hervor ging, ist zeitlos, raumlos.
Die Natur des Ursprungs kann von der Wirkung nicht ergründet werden.
Und doch, Janus, ist die Suche nach dem Ursprung nicht ohne Sinn. Deshalb bist Du auf der Suche…
“Janus! Jaaaaaanuuuuuuus!”
Janus erwachte aus seinem Schlaf. Er war versunken durch Amina gegangen, seiner Heimatstadt. Einer der vielen Bäume, die Wege und Plätze und Parks bewohnten, hatte ihn eingeladen, ein wenig auszuruhen. Ein Traum hatte ihn gefunden, von einem Leben, in der er noch ein kleines Kind war und alles falsch machte. Gerne hätte er jetzt darüber meditiert, aber sein Name wurde erneut gerufen.
“Janus! Da seid Ihr!”
Ein wenig erstaunt, fragte er sich, was wohl sei.
“Sei gegrüsst. Was ist es, das uns hier begegnen lässt?”
“Der Kriegermeister lässt Dir ausrichten, dass er mit Dir zu reden hat. Beeile Dich, er wartet nicht gerne.”
“Der Kriegermeister? Was…”
“Komm! Er wird Dir alles erklären, und je eher Du mitkommst, desto eher erfährst Du es.”
Und so folgte Janus dem Boten zum Kriegermeister…
“Janus, endlich bist Du da. Setz Dich.”
Der Kriegermeister begrüsste Janus und wies auf einen Stuhl.
“Du bist in diesem Jahr einer der Berufenen. Du weisst, was das bedeutet?”
“Ja. Die Berufenen sind Anwärter auf den Kriegertitel, der…”
“Nein nein. Es sind keine Anwärter auf irgendeinen Titel. Weisst Du, welche Bedeutung das Wort `Berufung´ hat?”
“Natürlich, es heisst Auserwählt.”
“Nein.”
Janus schwieg und verstand nicht. Er sah vor seinem inneren Auge wieder die Bilder aus seinem Traum von heute Mittag.
“Dann sagt mir bitte, was `Berufung´ bedeutet.”
Der Kriegermeister sah Janus nachdenklich an.
“Kennst Du das Gleichnis vom Wasserglas?”
“Natürlich. Das kennt jeder!”
“Verstehst Du es auch?”
“Aber ja! Ich kann kein Wasser in ein Glas schütten, wenn es schon randvoll mit Wasser ist.”
Der Kriegermeister seufzte.
“Welche Bedeutung, glaubst Du, hat dieses Gleichnis für Dein Leben, Janus?”
“Nun ja, ich…”
“Du hast noch nie darüber nachgedacht, nicht wahr?”
“Nein.”
Wieder seufzte der Kriegermeister.
“Du glaubst, soviel zu wissen. Wieviel von diesem Wissen aber hast Du selbst erlangt? Und wieviel davon haben andere Menschen in Dich hinein geschüttet?”
Wieder schwieg Janus. Der Kriegermeister stand auf und ging zu einem der grossen Fenster.
“Janus, Du bist berufen worden, am Zibberat teilzunehmen. Weisst Du, was der Zibberat ist?”
“Ja, natürlich! Es ist ein Wettkampf, die Gewinner werden zu Kriegern ausgebildet und…”
“Nein Janus. Es kein Wettkampf.
Der Zibberat kennt keine Gewinner und Verlierer, es geht nicht darum, wer besser ist. Es geht darum, was wir gemeinsam sind!
In einem Wettkampf, Janus, nutzt Du die Schwächen Deines Gegners zu Deinem eigenen Vorteil aus. Du hast einen Gegner.
Beim Zibberat hilft Dir Dein Freund, Deine Schwächen auszugleichen und mit seiner Hilfe schneller voranzukommen. Es geht nicht darum, ob jemand schneller an irgendeinem Ziel ankommen könnte, wenn er sich nur um sich selbst kümmert und andere Menschen ihrem Schicksal überlässt.
Beim Zibberat hilfst Du Deinem Freund, gemeinsam mit Dir, der doch schneller sein könnte, einen Weg zu gehen. Du zeigst ihm Wertschätzung, indem Du ihn unterstützt. Du selber erfährst Wertschätzung, wenn Du selbst unterstützt wirst, dort, wo Du schwach bist. Und gemeinsam erfahrt Ihr, wo Ihr Euch helfen, und wo Ihr Euch lehren könnt.
Bei einem Wettkampf, Janus, findest Du Gegner.
Beim Zibberat hingegen findest Du Freunde. Das ist der Unterschied.
Und nun bereite Dich auf die Art darauf vor, die Dir richtig erscheint.”
Du darfst meine Geschichten gerne weitererzählen oder vorlesen. Wenn Du meine Geschichten "entführen" willst, darfst Du das auch gerne tun. Sei dann bitte so freundlich, und verlinke direkt unter der Überschrift auf mein Blog: http://www.udokupsch.de, wahlweise auch gerne auf die entsprechende Seite.