<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Udo Kupsch</title>
	<atom:link href="http://www.udokupsch.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.udokupsch.de</link>
	<description>Geschichten dafür</description>
	<lastBuildDate>Wed, 30 Nov 2011 10:49:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Die Berufung des Janus</title>
		<link>http://www.udokupsch.de/2011/11/die-berufung-des-janus/</link>
		<comments>http://www.udokupsch.de/2011/11/die-berufung-des-janus/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 10:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rockrebell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fragmente]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.udokupsch.de/?p=95</guid>
		<description><![CDATA[Ein weiteres Fragment aus der Geschichte von Janus, dem Suchenden. Es wird wohl Zeit, dass ich dieses Buch endlich schreibe&#8230; &#160; &#8230; doch schon die Tat des Ursprungs, ist nicht mehr reine Schöpfung. Du, Janus, selbst ich, oder alles sonst, wir sind sowohl Wirkung als auch Ursache. Die reine Ursache aber, Janus, liegt weder im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein weiteres Fragment aus der Geschichte von Janus, dem Suchenden. Es wird wohl Zeit, dass ich dieses Buch endlich schreibe&#8230;</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#8230; doch schon die Tat des Ursprungs, ist nicht mehr reine Schöpfung.<br />
Du, Janus, selbst ich, oder alles sonst, wir sind sowohl Wirkung als auch Ursache. Die reine Ursache aber, Janus, liegt weder im Innen, noch im Aussen.<br />
Du, Janus, und viele vor Dir, und noch mehr nach Dir, sind auf der Suche nach dem reinen Ursprung, dem Akt der Schöpfung. Doch weder Start, noch Ziel, sind Gegenstand dieser Suche. Sie ist in ihrem eigentlich Sinne vergebens, und doch lohnenswert.<br />
Denn niemals kann das Ziel Ursprung sein, das Ziel ist immer Wirkung. Und selbst der Anfang einer Suche ist nicht reine Ursache, ihr voran geht der Wunsch. Wünsche aber entstehen durch uns, die beseelten Wesenheiten, ob Mensch, ob Tier, oder Pflanze, oder Geistwesen.<br />
Wir alle sind Kinder des reinen Ursprungs, dessen, zu dem wir nie wieder zurückkehren können. Welchen Sinn hätte die Schöpfung, würde etwas von dem &#8220;Danach&#8221; in das &#8220;Davor&#8221; gelangen können? Es gibt kein &#8220;Davor&#8221;. Der Ursprung, aus dem alles hervor ging, ist zeitlos, raumlos.<br />
Die Natur des Ursprungs kann von der Wirkung nicht ergründet werden.</p>
<p><span id="more-95"></span></p>
<p>Und doch, Janus, ist die Suche nach dem Ursprung nicht ohne Sinn. Deshalb bist Du auf der Suche&#8230;</p>
<p>&#8220;Janus! Jaaaaaanuuuuuuus!&#8221;<br />
Janus erwachte aus seinem Schlaf. Er war versunken durch Amina gegangen, seiner Heimatstadt. Einer der vielen Bäume, die Wege und Plätze und Parks bewohnten, hatte ihn eingeladen, ein wenig auszuruhen. Ein Traum hatte ihn gefunden, von einem Leben, in der er noch ein kleines Kind war und alles falsch machte. Gerne hätte er jetzt darüber meditiert, aber sein Name wurde erneut gerufen.<br />
&#8220;Janus! Da seid Ihr!&#8221;<br />
Ein wenig erstaunt, fragte er sich, was wohl sei.<br />
&#8220;Sei gegrüsst. Was ist es, das uns hier begegnen lässt?&#8221;<br />
&#8220;Der Kriegermeister lässt Dir ausrichten, dass er mit Dir zu reden hat. Beeile Dich, er wartet nicht gerne.&#8221;<br />
&#8220;Der Kriegermeister? Was&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Komm! Er wird Dir alles erklären, und je eher Du mitkommst, desto eher erfährst Du es.&#8221;<br />
Und so folgte Janus dem Boten zum Kriegermeister&#8230;</p>
<p>&#8220;Janus, endlich bist Du da. Setz Dich.&#8221;<br />
Der Kriegermeister begrüsste Janus und wies auf einen Stuhl.<br />
&#8220;Du bist in diesem Jahr einer der Berufenen. Du weisst, was das bedeutet?&#8221;<br />
&#8220;Ja. Die Berufenen sind Anwärter auf den Kriegertitel, der&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Nein nein. Es sind keine Anwärter auf irgendeinen Titel. Weisst Du, welche Bedeutung das Wort `Berufung´ hat?&#8221;<br />
&#8220;Natürlich, es heisst Auserwählt.&#8221;<br />
&#8220;Nein.&#8221;<br />
Janus schwieg und verstand nicht. Er sah vor seinem inneren Auge wieder die Bilder aus seinem Traum von heute Mittag.<br />
&#8220;Dann sagt mir bitte, was `Berufung´ bedeutet.&#8221;<br />
Der Kriegermeister sah Janus nachdenklich an.<br />
&#8220;Kennst Du das Gleichnis vom Wasserglas?&#8221;<br />
&#8220;Natürlich. Das kennt jeder!&#8221;<br />
&#8220;Verstehst Du es auch?&#8221;<br />
&#8220;Aber ja! Ich kann kein Wasser in ein Glas schütten, wenn es schon randvoll mit Wasser ist.&#8221;<br />
Der Kriegermeister seufzte.<br />
&#8220;Welche Bedeutung, glaubst Du, hat dieses Gleichnis für Dein Leben, Janus?&#8221;<br />
&#8220;Nun ja, ich&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Du hast noch nie darüber nachgedacht, nicht wahr?&#8221;<br />
&#8220;Nein.&#8221;<br />
Wieder seufzte der Kriegermeister.<br />
&#8220;Du glaubst, soviel zu wissen. Wieviel von diesem Wissen aber hast Du selbst erlangt? Und wieviel davon haben andere Menschen in Dich hinein geschüttet?&#8221;<br />
Wieder schwieg Janus. Der Kriegermeister stand auf und ging zu einem der grossen Fenster.<br />
&#8220;Janus, Du bist berufen worden, am Zibberat teilzunehmen. Weisst Du, was der Zibberat ist?&#8221;<br />
&#8220;Ja, natürlich! Es ist ein Wettkampf, die Gewinner werden zu Kriegern ausgebildet und&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Nein Janus. Es kein Wettkampf.<br />
Der Zibberat kennt keine Gewinner und Verlierer, es geht nicht darum, wer besser ist. Es geht darum, was wir gemeinsam sind!<br />
In einem Wettkampf, Janus, nutzt Du die Schwächen Deines Gegners zu Deinem eigenen Vorteil aus. Du hast einen Gegner.<br />
Beim Zibberat hilft Dir Dein Freund, Deine Schwächen auszugleichen und mit seiner Hilfe schneller voranzukommen. Es geht nicht darum, ob jemand schneller an irgendeinem Ziel ankommen könnte, wenn er sich nur um sich selbst kümmert und andere Menschen ihrem Schicksal überlässt.<br />
Beim Zibberat hilfst Du Deinem Freund, gemeinsam mit Dir, der doch schneller sein könnte, einen Weg zu gehen. Du zeigst ihm Wertschätzung, indem Du ihn unterstützt. Du selber erfährst Wertschätzung, wenn Du selbst unterstützt wirst, dort, wo Du schwach bist. Und gemeinsam erfahrt Ihr, wo Ihr Euch helfen, und wo Ihr Euch lehren könnt.<br />
Bei einem Wettkampf, Janus, findest Du Gegner.<br />
Beim Zibberat hingegen findest Du Freunde. Das ist der Unterschied.<br />
Und nun bereite Dich auf die Art darauf vor, die Dir richtig erscheint.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.udokupsch.de/2011/11/die-berufung-des-janus/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Janus, wozu sind Mauern da?</title>
		<link>http://www.udokupsch.de/2010/07/janus-wozu-sind-mauern-da/</link>
		<comments>http://www.udokupsch.de/2010/07/janus-wozu-sind-mauern-da/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 09:25:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rockrebell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Fragmente]]></category>
		<category><![CDATA[Etherianus]]></category>
		<category><![CDATA[Janus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieger]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://udokupsch.de/?p=89</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Text ist ein Fragment aus einem Traum, den Etherianus träumte. Es ist ein Traum von seinem ersten Leben, oder auch seinem zweiten, in dem er zum Krieger der Amina ausgebildet wurde. Diese Ausbildung ist sehr langwierig, und es gibt nur wenige Aminer, die diese Ausbildung in einem einzigen Leben bis zum anerkannten Krieger tragen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Text ist ein Fragment aus einem Traum, den Etherianus träumte. Es ist ein Traum von seinem ersten Leben, oder auch seinem zweiten, in dem er zum Krieger der Amina ausgebildet wurde.</p>
<p>Diese Ausbildung ist sehr langwierig, und es gibt nur wenige Aminer, die diese Ausbildung in einem einzigen Leben bis zum anerkannten Krieger tragen können&#8230;</p>
<blockquote><p>&#8220;Aber was ist ein Krieger wert, der niemals kämpft? Wie kann er jemals den Sieg erringen?&#8221;<br />
&#8220;So höre, junger Etherianus, und beantworte mir zuerst diese Frage: Was ist das, den Sieg erringen?&#8221;<span id="more-89"></span><br />
Etherianus schwieg. Zögernd sagte er: &#8220;Den Feind zu besiegen.&#8221;, und klang mehr wie eine Frage.<br />
&#8220;Nun, Etherianus, die erste Aufgabe des Kriegers besteht darin, die zu schützen, die ihm anvertraut sind. Dies ist eine Kunst, junger Etherianus, keine Feinde zu erschaffen.&#8221;<br />
&#8220;Aber was ist, wenn&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Aber, Aber, Aber! Schon dadurch, dass Du in Dir selbst solche Bilder erzeugst, in denen es einen Feind gibt, hast Du den Kampf schon begonnen, noch ehe ein möglicher Feind in Sicht ist.&#8221;<br />
&#8220;Meister &#8211; soll ich denn als Krieger nicht das Kämpfen erlernen?&#8221;<br />
&#8220;Nein, Etherianus. Als Krieger erlernst Du die Kunst des Friedens. Ein jeder Kampf mit Waffen ist nichts weiter als das Anrennen gegen eine Mauer. Weisst Du, was eine Mauer ist?&#8221;<br />
&#8220;Natürlich, Meister!&#8221;<br />
&#8220;Dann erkläre es &#8211; was ist eine Mauer?&#8221;<br />
&#8220;Nun &#8211; eine Mauer trennt das Innen vom Aussen, so habt Ihr es mich gelehrt.&#8221;<br />
&#8220;Das sind meine Worte. Verstehst Du sie auch?&#8221;<br />
&#8220;Ja.&#8221;<br />
&#8220;Dann erkläre meine Worte, wenn Du sie verstanden hast.&#8221;<br />
&#8220;Nun, äh&#8230; Eine Mauer dient dem Schutz vor&#8230; Dem Wetter, zum Beispiel. Sie schützt das Getreide, die Tiere und&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Halt! Etherianus, schon wieder sprichst Du vom Feind!&#8221;<br />
&#8220;Aber das Wetter ist doch kein Feind! Meister?&#8221;<br />
&#8220;Und schon wieder ein Aber. Was ist das Wetter anderes, als ein Feind, wenn Du Dich davor schützen musst? Oder das Korn?&#8221;<br />
&#8220;Das Korn verdirbt, wenn es nass wird.&#8221;<br />
&#8220;Und lebst Du nur vom Korn allein?&#8221;<br />
&#8220;Nein, Meister. Ich habe es wohl doch noch nicht verstanden&#8230;&#8221;<br />
Der Meister schwieg eine Weile.</p>
<p>&#8220;Du hast nicht darüber meditiert, Etherianus. Sonst wüsstest Du die Antwort. Du bist jung, und gleichzeitig alt. Zu alt, meine ich bisweilen. In Deinem Kopf ist zuviel Kampf, zuviel dagegen.<br />
Eine Mauer, Etherianus, ist ein Bollwerk, das gegen einen Feind errichtet wird. Wenn Du keine Feinde hast, dann brauchst Du keine Mauern. Wenn es Dir am Vertrauen und der Liebe mangelt, dann zweifelst Du. Wenn Du zweifelst, Etherianus, dann bekommst Du Angst. Und mit dieser Angst kommt auch der Feind. Und jeder Feind, mein junger, alter Schüler, entsteht zuerst in Deinem Kopf.<br />
Verstehst Du das? Kannst Du fühlen, was ich sage?&#8221;<br />
&#8220;Ihr meint, dass ich keine Feinde habe, wenn ich keine Angst habe?&#8221;<br />
&#8220;Richtig. Jede Angst sucht sich sofort einen Gegner, der sie rechtfertigt und begründet. Aus Gegnern werden Feinde. Es sieht so aus, als hättest Du das verstanden.<br />
Eine jede Mauer ist nur dazu da, Dich von dem Feind in Deinem Kopf zu trennen. Sie trennt die Welt, in der Du lebst, in das Innen und das Aussen. Das, was Innen ist, drängt dann nach Aussen, doch es hat Angst vor dem Aussen. Und das Aussen, Etherianus, versucht immer, in das Innen zu dringen, und je höher und stärker Deine Mauern sind, desto stärker wird auch die Anstrengung auf beiden Seiten.<br />
Du glaubst, dass es zuerst den Feind gibt und dann die Mauer. Das stimmt nicht, Etherianus. Es ist genau anders herum. Jede Mauer sucht sich ihren Feind, der gegen sie anrennt. Und jeder Krieg ist gegen Mauern gerichtet. Je stärker Du gegen sie anrennst, desto höher und stärker wird sie. Nun geh &#8211; meditiere darüber.&#8221;<br />
&#8220;Ja Meister&#8230;&#8221;</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.udokupsch.de/2010/07/janus-wozu-sind-mauern-da/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Trappelfest der Schneeballtrolle</title>
		<link>http://www.udokupsch.de/2009/12/das-trappelfest-der-schneeballtrolle/</link>
		<comments>http://www.udokupsch.de/2009/12/das-trappelfest-der-schneeballtrolle/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 11:53:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rockrebell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>
		<category><![CDATA[Drachen]]></category>
		<category><![CDATA[Gebirge]]></category>
		<category><![CDATA[Schnee]]></category>
		<category><![CDATA[Schneeballtrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Trappelfest]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://udokupsch.de/?p=80</guid>
		<description><![CDATA[Da drüben, etwas weiter, als Du gucken kannst &#8211; nein, weiter links! Da lebten die Schneeballtrolle. Sie waren viel kleiner als Du, und auch, wenn es Trolle waren, war dieses lustige Völkchen ein lachender Haufen witziger Gesellen. Nun hiessen die Schneeballtrolle so, weil sie am liebsten mit Schneebällen werfen. Und da, wo sie lebten, gab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da drüben, etwas weiter, als Du gucken kannst &#8211; nein, weiter links! Da lebten die Schneeballtrolle. Sie waren viel kleiner als Du, und auch, wenn es Trolle waren, war dieses lustige Völkchen ein lachender Haufen witziger Gesellen.</p>
<p>Nun hiessen die Schneeballtrolle so, weil sie am liebsten mit Schneebällen werfen. Und da, wo sie lebten, gab es wirklich haufenweise Schnee. Und weil das so ist, weil da viel Schnee lag, wussten die Trolle auch ganz genau, wie gute Schneebälle gemacht werden. Sie kannten  bestimmt dreihundertvierundzwanzig Arten, einen Schneeball zu rollen, zu pressen, zu wickeln und zu stückeln und ich weiss nicht wie sonst noch.</p>
<p>Und jedes Jahr zum Trappelfest trafen sich alle Schneeballtrolle zu einer rieeeeeesengrossen tollen Schneeballschlacht, und das liess sich wirklich KEIN Troll entgehen. Da war siebenundzwanzigeinhalb Tage lang ein grosses Fest mit den köstlichsten Gefrorenheiten, die Du Dir vorstellen kannst. Gekocht wurde da nämlich nicht, denn die Trolle kannten zwar Feuer (warum, wenn Du Dich das fragst, erzähle ich Dir noch), aber das schmilzt Schnee, und das mochten die Trolle üüüüüüberhaupt nicht leiden. Und etwas Warmes zu essen, das kam ihnen seeeehr verdächtig vor. Also gab es wunderbare Eistorten, Eissuppen, Schneekuchen, Frostkekse und natürlich Eis in allen möglichen Farben und Geschmäckerchen und noch viel mehr, was ich garnicht alles aufzählen kann.</p>
<p><span id="more-80"></span></p>
<p>Das Trappelfest wurde im Razapplgebirge gefeiert, weil nur dort soviel Platz war, dass die vielen, unzähligen Schneeballtrolle Platz fanden, und noch soviel Platz übrig war, dass auch all die köstlichen Gefrorenheiten aufgetischt werden konnten, und natürlich war auch noch genug Platz für den Höhepunkt des Trappelfests &#8211; die Schneeballschlacht!</p>
<p>Und wenn Du jetzt denkst, dass es da Regeln oder gar Mannschaften gab, die gegeneinander antraten, dann hast Du Dich aber gaaaaanz schwer geirrt! Gewinner kannten die Schneeballtrolle nämlich nicht, weil gewinnen bedeutete, dass auch jemand verlieren musste. Und das war den Schneeballtrollen überhaupt nicht recht. Sie hatten nämlich so viel Achtung und Respekt voreinander, dass sie nieeeee zulassen würden, dass einer von ihnen verlor. Und es ging ja auch garnicht darum, die meisten, schönsten, besten Schneebälle am weitesten, am witzigsten oder am kompliziertesten oder am höchsten zu werfen oder die meisten Schneeballtrolle zu treffen. Nein nein &#8211; es ging ihnen einzig und allein um den Spass und das Erlebnis, einmal im Jahr mit wirklich allen Schneeballtrollen zusammen zu sein und siebenundzwanzigeinhalb Tage lang gaaaaaanz viel Spass miteinander zu haben und die leckersten, köstlichsten und schönsten Gefrorenheiten zu schlecken.</p>
<p>Kurzum, die Schneeballtrolle waren ein so lustiges Volk, dass schon ein einziger von ihnen genügte, um mehr Spass zu haben, als in ein Clownskostüm reinpasst. Und Du kannst Dir bestimmt vorstellen, wieviel Spass es gab, wenn all die unzähligen Schneeballtrolle zusammen waren. Das war einziges grosses Lachen und Scherzen und Knuffen und Stuppsen und vorallem Schneeballwerfen. Und wenn Du wissen willst, was die Schneeballtrolle nach dem Trappelfest machten, dann ist das ganz einfach: Sie machten einfach weiter, und hier und da gingen dann zwei oder auch acht oder fünfzehn nach Hause, um sich auf das nächste Trappelfest zu freuen und die Zeit mit Schneeballschlachten und ein paar leckeren Gefrorenheiten zu überbrücken.</p>
<p>Und wenn Du jetzt wissen willst, ob die Schneeballtrolle noch etwas anderes machten als Schneebälle werfen und Gefrorenheiten zu schlecken, dann musst Du wissen, dass die zweitliebste Beschäftigung der Schneeballtrolle die Musik war. Sie musizierten auf Glockenspielen aus Eiszapfen und auf Trommeln aus Eis, die mit verzauberten Fellen aus Schnee bespannt waren. Sie konnten nämlich nicht nur lachen und schlecken und toben und Schneebälle werfen, nein, sie konnten nämlich auch zaubern. Und ausserdem hatten sie wunderschöne und kunstvoll verzierte Eiskristallharfen, die mit Saiten aus gesponnener, eiskalter Luft bespannt waren, dazu langen und dicken Schneerohren, die einen dumpfen und geheimnissvollen Klang hervorbrachten.</p>
<p>Überhaupt waren die Schneeballtrolle sehr kunstfertig und hatten einen grossen Sinn für alles, was schön war. Die Häuser und Hütten, in denen sie lebten, waren aus glasklarem Eis gefroren und mit einer eishauchdünnen Schicht Schnee überzogen. Das hatte den Vorteil, dass sie jederzeit ein oder mehrere kleine oder grosse Fenster machen konnten, gerade da, wo es ihnen gefiel. Und wenn sie ein Fenster wieder zumachen wollten, dann hauchten sie sie einfach mit Schnee zu.</p>
<p>Kleidung oder Schuhe brauchten die Schneeballtrolle nicht. Es wuchs ihnen nämlich ein dichtes Fell aus langen Haaren, die sie stundenlang und mit grosser Kunstfertigkeit zu allerlei hübschen Ornamenten an ihrem Körper flochten, so dass jeder einzelne von ihnen äusserst wundervoll und höchst erstaunlich anzusehen war. Das war die drittliebste Beschäftigung der Schneeballtrolle, und wenn Du wissen willst, was ihre viertliebste Beschäftigung war, dann kann ich Dir sagen, dass das die Herstellung der köstlichsten Gefrorenheiten war, von denen ich Dir schon erzählt habe.</p>
<p>Dazu brauchten sie nichts weiter als Eis, Schnee und ein wenig eisklare Luft. Und wenn Du jetzt denkst, dass das doch alles gleich geschmeckt hat und nur anders ausgesehen hat, dann irrst Du Dich gaaaaaaaanz gewaltig!<br />
Die Schneetrolle konnten nämlich aus diesen drei einfachen Zutaten soviele unterschiedliche Geschmacksrichtungen hinzaubern, dass Du es mir bestimmt nicht glauben wirst, wenn Du nicht selber mal davon genascht hast.</p>
<p>Wenn ich Dir das alles erzähle, dann musst Du auch wissen, dass die Tage und Nächte der Schneeballtrolle angefüllt waren mit wunderschöner Musik, denn mindestens vier fanden sich immer, um gemeinsam ein kleines oder auch grosses Lied anzustimmen und dazu auf ihren Instrumenten zu spielen. Und wenn die Schneeballtrolle Musik hörten, dann fingen sie auch gleich an zu tanzen. So war das mit denen, wenn sie irgendwo hin gehen wollten, dann gingen sie nicht, dann tanzten sie dorthin. Und wenn es wirklich mal garnichts zu Lachen gab, dann kitzelten sich die Schneeballtrolle gegenseitig so lange, bis alle, die in Hörweite waren, selber anfangen mussten zu lachen.</p>
<p>Das Leben der Schneeballtrolle war also gefüllt mit Spass, Freude, Liebe füreinander und Lachen und Tanzen und Kitzeln und was Dir sonst noch an lustigen und schönen Sachen einfällt.</p>
<p>In einem Jahr aber, da geschah etwas seltsames. Als die Schneeballtrolle nämlich in das Razapplgebirge zum Trappelfestplatz kamen, da staunten sie nicht schlecht. Anstatt Schnee fanden sie dort nämlich nichts als Felsen.</p>
<p>&#8220;Wie sollen wir Schneebälle machen?&#8221;, fragten sich einige.<br />
&#8220;Wie sollen wir die köstlichen Gefrorenheiten frieren?&#8221;, fragten sich andere.<br />
Und wieder andere versuchten, aus dem Gestein etwas wie Bälle zu formen. Das gelang nur wenigen Schneeballtrollen, und nur einer traute sich, damit zu werfen. Aber der, der getroffen wurde, fiel sofort hin, und auf seinem Kopf wuchs eine prächtige Beule.<br />
&#8220;Nein, so geht das nicht!&#8221;, riefen sie alle, und zum ersten Mal, seit es Schneeballtrolle gab, waren sie überhaupt nicht froh. Ja, einige fingen sogar an, sich zu ärgern, und wieder andere weinten gar. Nein, so ging es wirklich nicht weiter.</p>
<p>&#8220;Was machen wir denn jetzt?&#8221;, fragte da einer der Schneeballtrolle in das Jammern, Murren und Weinen hinein. Aber keiner wusste darauf eine Antwort, und so setzten sie sich auf den nackten Fels und blickten traurig auf den Festplatz.<br />
Nach einiger Zeit, es war wohl Mittag, stand einer auf und sagte: &#8220;Wir müssen herausfinden, wohin der Schnee verschwunden ist und warum.&#8221;<br />
&#8220;Ja, aber wie wollen wir das anstellen?&#8221;, fragte da ein anderer.<br />
Darauf wusste auch niemand eine Antwort, und so sassen sie alle traurig bis zum Abend herum.<br />
Da hatte einer der Schneeballtrolle eine Idee: &#8220;Warum holen wir nicht einfach neuen Schnee? Schaut, um den Festplatz herum liegt genug davon!&#8221;<br />
Das schien eine gute Idee zu sein, und auf einmal lachten sie alle wieder, liefen an den Rand des Festplatzes und sammelten soviel Schnee auf, wie sie konnten, und liefen wieder zurück. Aber als sie den Platz betraten, da staunten sie wieder nicht schlecht. Der Schnee in ihren Händen verschwand nämlich. Dafür waren die Schneeballtrolle auf einmal patschnass, und das kunstvoll geflochtene Fell wurde schwer vor lauter Wasser. Der Schnee war nämlich nicht einfach so verschwunden, er war geschmolzen. Da setzten sich die Schneeballtrolle wieder auf den Fels, und diesmal fingen sie alle an, zu weinen. Ihre Pelze wurde noch nasser, denn wenn so ein Schneeballtroll einmal anfängt zu weinen, dann fliessen ihm die Tränen wie zwei Bäche über das Gesicht.</p>
<p>So ging das die ganze Nacht, und keinem von ihnen wollte etwas einfallen. Am nächsten Morgen waren alle so erschöpft und mutlos, dass sie einfach einschliefen. Und da hatte der, der vorgeschlagen hatte, der Sache auf den Grund zu gehen, einen Traum&#8230;</p>
<p>Er träumte, dass aus einem der Berge ein Drache gekommen war. In seinem Traum fühlte er, wie die Berge erzitterten und schliesslich eine hohe Felswand einstürzte und eine grosse Höhle freilegte. Der Drache tappste etwas unbeholfen hinaus, und Dampf stieg auf, wenn atmete. Er schien zu frieren, denn er legte die Flügel eng um sich herum, und zitterte am ganzen Drachenleib.<br />
Er lief hierhin und dorthin, wohl, um sich ein wenig aufzuwärmen, aber das schien nicht zu gelingen, und so ging der Drache zurück in die Höhle, aus der er gekommen war. Aber dort war es auch nicht wärmer.<br />
Der Drache schien recht unglücklich zu sein, und auf einmal, und das erschreckte ihn wohl selber, musste er niesen. Das war ein Getöse, und aus seinem Mund kam ein riiiiesiger Flammenstrahl.<br />
&#8220;Verflixt, jetzt habe ich mich tatsächlich erkältet&#8221;, donnerte der Drache, und sah nun wirklich sehr unglücklich aus.<br />
Traurig machte er sich auf den Weg, um einen Ort zu finden, wo es wärmer war und er sich nicht erkälten würde.<br />
Aber das Razapplgebirge war sehr gross, musst Du wissen, und nach vielen kalten Tagen kam der Drache zu eben jener grossen Ebene, auf der die Schneeballtrolle ihr Trappelfest feierten. Dem Drachen tränten schon die Augen, so erkältet war er, und ein gewaltiger Nieser und ein noch gewaltiger Flammenstoss kam aus seinem Mund, so dass der Schnee in weitem Umkreis einfach so wegschmolz.</p>
<p>Da hatte der Drache eine Idee. Er holte tieeeef, tieeeeeeeeef, gaaaaaaaanz tief Luft, und spie einen noch gewaltigeren Feuerstoss auf den schneebedeckten Boden, und der Boden wurde so warm, dass der Schnee auf einer noch grösseren Fläche schmolz und das Wasser innerhalb weniger Augenblicke verdampfte. Dem Drachen schien das zu gefallen, denn er lief ein Stückchen weiter, und das Schauspiel wiederholte sich. So ging das eine ganze Zeit, und schliesslich war der ganze Festplatz nicht mehr mit Schnee bedeckt.</p>
<p>Am Ende seines Traumes sah der Schneeballtroll, wie der Drache genau zur Mitte des Platzes ging und ein Loch grub, in das er sich bequem hineinlegen konnte. Er spuckte noch einmal einen mächtigen Flammenstoss, so dass die Steine um die Grube herum zu glühen begannen, legte sich hinein und bedeckte seinen Drachenkörper, so gut es ging, mit den glühenden Steinen. So schlief der Drache wieder ein&#8230;</p>
<p>Der Schneeballtroll wachte auf, rieb sich die Augen, und dachte bei sich: &#8220;Was hab ich da nur für einen komischen Traum gehabt?&#8221;.<br />
Aber dann wurde er neugierig, ob das, was er geträumt hatte, nicht vielleicht der Grund für den verschwundenen Schnee sein könnte.</p>
<p>So stieg er über die anderen Schneeballtrolle hinweg und ging zur Mitte des Festplatzes. Und tatsächlich: Da war ein riesiger Steinhaufen aufgetürmt, an den er garnicht herangehen konnte, so heiss waren die Steine.<br />
Nun musst Du wissen, dass die Schneeballtrolle keine Angst kennen, weil es einfach keine Gefahren gibt, die ihnen etwas anhaben könnten, und deshalb hatte der Schneeballtroll auch keine Angst, dass ihm etwas passieren könne.</p>
<p>Er ging so dicht wie er konnte an den Steinhaufen heran und rief: &#8220;HAAAAALLOOOOOOO!!!&#8221;<br />
Unter dem Haufen konnte er jetzt etwas hören, so, als ob sich dort etwas bewegte. Also rief er nochmal, diesmal lauter: &#8220;HAAAAAAAAALLOOOOOOOOOOOOO!!!&#8221;<br />
Durch sein Rufen waren jetzt auch einige andere Schneeballtrolle angelockt worden und fragten, was denn los sei. Schnell erklärte er ihnen, was er geträumt hatte, und deutete auf den Steinhaufen.<br />
&#8220;Da drunter liegt er jetzt, und kuriert wohl seinen Schnupfen aus.&#8221;</p>
<p>Da riefen sie alle zusammen, und das war so richtig laut: &#8220;HAAAAAAAAAALLOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO!!!&#8221;<br />
Der Steinhaufen erzitterte, und einige Steine kullerten herab. Die Schneeballtrolle mussten schnell zur Seite springen, sonst wären die Steine auf sie gefallen. Dann erschien der Kopf des Drachen und blickte sich um. Er sah die vielen Schneeballtrolle und fragte: &#8220;He, Ihr da! Was weckt Ihr mich auf, ich habe Schnupfen und muss gesund werden!&#8221;<br />
&#8220;Das sollst Du ja auch, aber Du hast Dir dafür unseren Festplatz ausgesucht, wo wir gerne siebenundzwanzigeinhalb Tage lang feiern wollen. Und Du hast den ganzen Schnee geschmolzen, und jetzt können wir keine Schneeballschlachten machen und keine köstlichen Gefrorenheiten.&#8221;<br />
&#8220;Brrrr.&#8221;, machte der Drache, &#8220;Hört blooooss auf mit Schnee. Mir wird schon kalt, wenn ich nur daran denke. Aber ich wusste nicht, dass das hier ein Festplatz ist, entschuldigt bitte, wenn ich Euer Fest gestört habe. Kann ich etwas tun, damit Ihr doch noch feiern könnt?&#8221;<br />
Da überlegten die Schneeballtrolle, aber es fiel ihnen nichts ein.<br />
&#8220;Nein, da Du keine Kälte magst, wissen wir nicht, wie Du uns helfen könntest.&#8221;<br />
Da wurde der Drache sehr traurig. &#8220;Das tut mir wirklich leid, ich würde das wirklich gerne wieder gut machen. Fällt Euch denn wirklich nichts ein?&#8221;<br />
Der Schneeballtroll, der den Traum gehabt hatte, überlegte und sagte dann: &#8220;Nein, ich glaube, es gibt wirklich nichts, wie Du uns helfen kannst. Aber sag mal, Du hast doch Flügel. Kannst Du denn nicht irgendwo hin fliegen, wo es warm genug für Dich ist? Dann bräuchtest Du zumindest hier die Steine nicht so heiss zu machen, dass kein Schnee mehr liegen bleibt.&#8221;<br />
&#8220;Hm, das kann ich wohl&#8221;, sagte der Drache. &#8220;Und ich glaube, ich bin auch kräftig genug, um soweit fliegen zu können. Wenn es hilft, dann werde ich mich sofort auf den Weg machen. Geht mal ein Stück zur Seite, damit ich die Steine von mir schütteln kann.&#8221;</p>
<p>Nachdem sich die Schneeballtrolle in eine sichere Entfernung zurückgezogen hatten, richtete sich der Drache auf und schüttelte die restlichen Steine von seinem Rücken. Er schlug ein paarmal mit seinen Flügeln, und der Wind, den er damit machte, pustete die Schneeballtrolle, die nah genug standen, einfach um. Da hatte einer der Trolle eine Idee.</p>
<p>&#8220;Sag mal, wieviel Wind kannst Du mit Deinen Flügeln eingentlich machen?&#8221;<br />
&#8220;Oh, jeeeeeede Menge Wind&#8221;, sagte der Drache, &#8220;Ich kann sogar einen richtigen Sturmwind entfachen, wenn ich das will.&#8221;<br />
&#8220;Könntest Du denn dann nicht auch einen SCHNEEsturm machen, und unseren Festplatz wieder mit Schnee bedecken?&#8221;<br />
Der Drache überlegte eine kurze Weile. Dann sagte er: &#8220;Ja, ich denke, das kann ich.&#8221;<br />
Da jubelten die Schneeballtrolle, und der Drache flog hoch hinauf zu den Bergspitzen und begann, mit seinen Flügeln einen kräftigen Schneesturm zu entfachen. Den Trollen pfiff der Wind nur so um die Nasen, und der Schnee kam an rieeeeeesigen Mengen herangeweht. Zuerst schmolz er noch, weil der Festplatz noch so warm war, aber dann blieb immer mehr Schnee liegen, und zuguter Letzt war auch die Mitte des Platzes, wo der Drache geschlafen hatte, mit eine hohen Schneeschicht bedeckt.<br />
&#8220;HURRAAAAAAAAAAAAAAAA!&#8221;, riefen die Schneeballtrolle, und &#8220;DANKESCHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖN!&#8221;<br />
Auch der Drache freute sich, und landete noch einmal auf dem Festplatz.<br />
&#8220;Ich freue mich, dass ich Euch doch noch helfen konnte, auch, wenn es ganz schön anstrengend war. Aber dafür ist mir schön warm geworden, und erkältet bin ich auch nicht mehr.&#8221;<br />
Ein kleines bisschen traurig waren sie dann doch alle, als es hiess, sich zu verabschieden.<br />
&#8220;Wenn Du willst, kannst Du uns ja gerne besuchen kommen!&#8221;, riefen die Schneeballtrolle dem Drachen hinterher, als er losflog.<br />
&#8220;Ja, das will ich gerne tun, aber dann müsst Ihr mir einen Platz zeigen, wo ich den Schnee schmelzen und Steine zum glühen bringen kann.&#8221;<br />
&#8220;GERNEEEE!&#8221;, riefen da die Schneeballtrolle, und winkten dem Drachen hinterher.</p>
<p>Dann feierten sie die restlichen sechsundzwanzigeinhalb Tage das schönste, lustigste und grösste Trappelfest, an das sie sich erinnern konnten, und als das vorbei war, da feierten sie nochmal dreiundzwanzigeinviertel Tage lang ein neues Fest, das sie das Drachensturmwindfest nannten, und bauten aus Schnee und Eis einen riesigen Drachen, mitten auf dem Festplatz.</p>
<p>Ob der Drache die Schneetrolle wirklich besucht hat, willst Du wissen? Oh ja, das hat er, sogar sehr oft. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ich Dir ein anderes Mal erzähle&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.udokupsch.de/2009/12/das-trappelfest-der-schneeballtrolle/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Zauberkasper</title>
		<link>http://www.udokupsch.de/2009/12/der-zauberkasper/</link>
		<comments>http://www.udokupsch.de/2009/12/der-zauberkasper/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 10:41:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rockrebell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>
		<category><![CDATA[Kasper]]></category>
		<category><![CDATA[Puppen]]></category>
		<category><![CDATA[Zauberer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://udokupsch.de/?p=73</guid>
		<description><![CDATA[Da war einmal ein kleiner Zauberkasper, den hatte vor vielen Jahren ein Puppenmacher mit viel Liebe und Geduld gemacht, weil er schon alt war, der Puppenmacher. Es war ein Puppenmacher der alten Schule, einer von denen, die noch richtige Puppen machen konnten, solche, die lebendig waren und mit den Kindern sprachen, denen sie gehörten. Solche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da war einmal ein kleiner Zauberkasper, den hatte vor vielen Jahren ein Puppenmacher mit viel Liebe und Geduld gemacht, weil er schon alt war, der Puppenmacher. Es war ein Puppenmacher der alten Schule, einer von denen, die noch richtige Puppen machen konnten, solche, die lebendig waren und mit den Kindern sprachen, denen sie gehörten. Solche, die alle Geheimnisse teilten und zuhörten, wenn es galt, bei einem Missgeschick zu trösten oder sich mit den Kindern zu freuen, wenn sie etwas schönes erlebt hatten.<br />
Kurzum, der Puppenmacher war schon alt, und nach der Tradition musste jeder Puppenmacher, der etwas auf sich hielt, einmal im Leben einen richtigen Zauberkasper machen.</p>
<p>Ein Zauberkasper ist nicht nur eine Puppe, nein. Ein Zauberkasper ist ein richtiger Freund, treu bis in die Ewigkeit und geduldig, für jeden Spass zu haben, immer neckische Spiele bei der Hand, kleine Spassmacher, die mit einem lachen, aber auch tröstende Freunde, die richtig gut zuhören können und mit dir weinen, wenn du traurig bist, und dich danach wieder aufheitern mit ihren Spässen.<br />
Hart im nehmen sind sie, denn so ein richtiger Zauberkasper, der kann auch was einstecken, wenn du wütend bist. Der ist dir auch nicht böse, wenn du ihn mal in die Ecke wirfst oder im dunklen Schrank einsperrst. Der wartet, bis du wieder gute Laune hast und kitzelt dich dann, bis du keine Luft mehr kriegst.</p>
<p><span id="more-73"></span></p>
<p>Unser Zauberkasper war so einer, den konntest du knuffen und knuddeln, den konntest du drücken und herzen, und der konnte kitzeln und Geschichten erzählen und faxen machen wie kein zweiter. Und der kleine Junge, dessen Freund er war, der war richtig glücklich, dass er so einen tollen Zauberkasper hatte.<br />
Jetzt ist es aber so, dass ein Zauberkasper keinem gehört, nein. Ein Zauberkasper sucht sich die Jungen nämlich aus, deren Freund er sein will. Und der nimmt noch lange nicht jeden, aber Hallo. Da musst du schon ein gutes Herz haben, und mutig musst du sein, denn so ein Zauberkasper, der klettert auch schonmal auf die höchsten Bäume, auf die höchsten Äste, und wenn du nicht hinterher kletterst, dann bist du ein Feigling. So ist das.</p>
<p>Aber der kleine Junge, dessen Freund der Zauberkasper war, der war mutig. Und er hatte ein gutes Herz. Hilfsbereit war er, und freundlich. Der würde mal ein richtig guter Mann werden. Das wusste der Zauberkasper, denn so ein Zauberkasper, der kann dir auch was beibringen über das Leben. Dass man sich nicht ständig prügeln soll zum Beispiel, dass man sich aber auch wehren muss, weißt du. Kurzum, die beiden waren richtig dicke Freunde, und soviel Spass hatten die, dass ein Sack voller Kichererbsen einem Kloster geglichen hätte.<br />
Aber irgendwann, da wurde aus dem Jungen ein junger Mann. Und so ein Zauberkasper, der merkt das. Der weiss, wann das mit dem Kindsein vorbei ist. Und dann verschwindet er, einfach so ist er weg, hast du nicht gesehen. Und dann sucht er sich einen neuen kleinen Jungen, dessen Freund er wird, und so war das damals.</p>
<p>Eigentlich wäre die Geschichte jetzt zu Ende, aber dann ist dem Zauberkasper was ganz, ganz blödes passiert. Der ist in eine Schule gegangen, naja, eigentlich kann ja so ein Zauberkasper garnicht richtig gehen, das hat nämlich noch keiner gesehen, wie so ein Zauberkasper geht, aber plötzlich ist er woanders, und keiner hat´s gemerkt, sieh da, auf einmal ist er dort, wo er doch eben noch hier war. Aber schliesslich ist das ein Zauberkasper, und das muss sein, dass der auch geheimnissvoll ist.<br />
Da war unser Zauberkasper also in der Schule, und hatte auch schon einen kleinen Jungen gefunden, der ihm auf Anhieb gefallen hat, und grade wollte er in seine Schultasche rutschen, da kommt doch der böse grosse Haudrauf, der immer die Kleineren verhaut, weil er ja schon einmal sitzen geblieben ist, und schwupps &#8211; schnappt er sich den Zauberkasper und wirbelt ihn an einem Arm herum. Und wenn das ein richtiger Freund macht, dann tut das so einem Zauberkasper garnicht weh, weil das ja sein Freund ist und der das auch garnicht so meint.<br />
Aber der Haudrauf, der böse, der war ein richtig gemeiner Kerl und gar kein Freund vom Zauberkasper. Da hätte der Kasper am liebsten geschrien, &#8220;Lass mich los, du blöder Junge, sonst beiss ich dir ins Ohr&#8221;, aber das wäre nicht gut gewesen, denn so ein Zauberkasper gibt sich nur zu erkennen, wenn er Freundschaft schliessen will. Und so ein Zauberkasper, der schliesst Freundschaft auf ewig. Aber der Haudrauf, der wirbelte ihn und warf ihn und schleuderte ihn, dass dem Armen hören und sehen verging.<br />
Er dachte nur noch &#8220;Jetzt ist mein Leben als Zauberkasper aus, keine Freunde mehr, keine Jungs, mit denen ich Freundschaft auf ewig schliesse&#8221;.<br />
Also fing er an, das Lied zu singen, das alle Zauberkasper singen, wenn es zu Ende geht mit ihnen.</p>
<p>Schön war die Welt, schön war die Welt.<br />
Die Freunde hatt´ ich lieb, schön war die Welt.<br />
In den Himmel komm´ ich jetzt, ich armer kleiner Held,<br />
schön war die Welt, schön war die Welt.</p>
<p>Aber als der Haudrauf den Kasper in die Luft warf, um ihn einfach auf den Boden fallen zu lassen, da spürte der Zauberkasper auf einmal, wie er ganz leicht wurde, ganz leicht wie eine Feder, und ein warmer, angenehmer Wind blies ihm um die Nase. Er fiel nicht runter auf den Boden, der Wind wehte ihn einfach weg.<br />
Und hast du nicht gesehen, da sass er doch bei einem kleinen Jungen auf der Fensterbank. Und jetzt rate mal, wer der Urgrossvater von dem kleinen Jungen gewesen ist. Den konnte der Zauberkasper nämlich durch das Fenster auf einem kleinen Bild auf dem Nachttisch sehen.<br />
&#8220;Mensch&#8221;, dachte der Zauberkasper, &#8220;das ist doch der Puppenmacher, der mich gemacht hat.&#8221;<br />
Und genau so war das auch. Denn so ein richtiger Puppenmacher, der machte nicht einfach Puppen. Der gab seinen Puppen Leben, und der passte auch auf, dass seinen Puppen nichts passierte. Denn der Zauberkasper und der Puppenmacher, die beiden waren nämlich auch Freunde auf ewig.</p>
<p>Und weißt du, was aus dem kleinen Jungen geworden ist? Ein richtiger Puppenmacher. Und irgendwann, vielleicht, aber vielleicht auch ganz bestimmt, hat er auch einen Zauberkasper gemacht und ihm ein echtes Leben gegeben.</p>
<p>Und wer weiss &#8211; wenn du mal einen Jungen hast, ob der nicht genau den Zauberkasper kriegt, von dem ich dir grad erzählt hab? Achte mal drauf, wenn dein kleiner Junge abends in seinem Zimmer erzählt, was er mal werden will, oder wie die Schule war, oder dass ihn die anderen Jungs ärgern. Und vielleicht, wenn du ganz, ganz mucksmäusschenstill bist, dann hörst du sogar, wie ihm der Zauberkasper antwortet&#8230;.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.udokupsch.de/2009/12/der-zauberkasper/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine flüsternde Blumenwiese</title>
		<link>http://www.udokupsch.de/2009/12/eine-flusternde-blumenwiese/</link>
		<comments>http://www.udokupsch.de/2009/12/eine-flusternde-blumenwiese/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 10:21:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rockrebell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>
		<category><![CDATA[König]]></category>
		<category><![CDATA[Zauberer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://udokupsch.de/?p=70</guid>
		<description><![CDATA[Zu keiner Zeit, irgendwo zwischen hier und weit, weit weg, gibt es ein Land, in dem unzählige flüsternde Blumenwiesen leben und atmen. Sie erzählen dir Geschichten aus fernen Ländern, von grossen Helden, von romantischen Liebesaffären, von freundlichen Menschen und herzlichen Taten. Die Menschen dort träumen in diesen Wiesen, sie lassen sich entführen von den Geschichten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu keiner Zeit, irgendwo zwischen hier und weit, weit weg, gibt es ein Land, in dem unzählige flüsternde Blumenwiesen leben und atmen.</p>
<p>Sie erzählen dir Geschichten aus fernen Ländern, von grossen Helden, von romantischen Liebesaffären, von freundlichen Menschen und herzlichen Taten. Die Menschen dort träumen in diesen Wiesen, sie lassen sich entführen von den Geschichten, entführen in ihre Träume und Fantasien.</p>
<p>Ein Zaberer hat diesem Land die flüsternden Blumenwiesen geschenkt. Dort war es nicht immer so ruhig und friedlich, und die Menschen waren nicht immer so glücklich gewesen wie jetzt.</p>
<p>Einst glaubten die Menschen nicht an Zauberer, an Magie, oder an Zwerge, Elfen, Riesen, Trolle, Drachen oder verwunschene Wälder. Doch sie kannten Unruhe, Hektik, Boshaftigkeit, Misstrauen und Lügen.<br />
Denn ihr König, ein verhärmter alter Mann, war unzufrieden mit sich selbst und der Welt und den Menschen, die darin lebten. So erliess er Gesetze, die die Bürger einengten, die sie ducken sollten und die möglichst viel Spass und Freude am Leben und der Umwelt nehmen sollten.<br />
So drufte niemand bei Sonnenauf- und Untergang im Freien sein, um diese anzusehen und sich daran zu erfreuen. Niemand durfte tagsüber in die Wälder, um den Vögeln bei ihrem Gesang zu belauschen, niemand durfte Blumen pflücken und sie verschenken. Überhaupt waren Geschenke nur zu ganz wenigen Anlässen und nur sehr wenigen Menschen erlaubt. Wer es dennoch tat und erwischt wurde, der wurde eingesperrt. Dem wurde fast der gesamte Besitz genommen. Und wenn er Pech hatte und der König sehr übellaunig war, dann nahm man ihm sogar das Leben.</p>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p>Es war kein schönes Land damals, nein, wirklich nicht. Argwohn und Hinterhältigkeit waren die ständigen Begleiter der Menschen.<br />
Nun hatte der König, wie jeder richtige König, auch eine sehr hübsche Tochter. Natürlich wollte der König, dass auch sie sich an die Gesetze hielt, aber schliesslich war sie seine Tochter und sie war soooo hübsch und lebenslustig und anmutig und überhaupt war sie eine Freude für das Herz.<br />
Sie war so herzerfrischend anders als all die Menschen in diesem Land, dass es dem König eigentlich eine Freude hätte sein sollen, wenn er sie sah, wenn sie mit ihm sprach oder einfach nur in seiner Nähe war. Doch der König war so tief versunken in seinem Gram, dass er garnicht mehr wusste, was Zufriedenheit und Freude waren.<br />
Zwar empfand er beides noch, doch verwirrten ihn diese Gefühle so sehr, dass er meinte, krank zu sein und seinen Leibarzt rufen liess.</p>
<p>Auch muss gesagt werden, dass die Königstochter nichts von all dem Elend des Landes mitbekam, denn sie wohnte in einem wunderschönen Haus in einem wunderschönen Garten mit einer bunten und summenden Blumenwiese. Dort gefiel es ihr so sehr, dass sie so gut wie garnicht von dort wegging, um sich das Reich ihres Vaters anzusehen.<br />
Sie dachte, wenn es hier so schön ist, so ruhig, so friedlich, dann muss es überall anders auch so sein. Und wenn mein Vater der König ist, und mich in solch wunderbarer Umgebung leben lässt, wenn er seinen Untertanen auch nur die Hälfte von dieser Schönheit gibt, dann muss das Land von glücklichen, zufriedenen Menschen bewohnt sein.</p>
<p>So ging es lange, lange Zeit, und die Menschen dort stöhnten und murrten. Und weil sie so unfreundlich waren, reiste niemand gern in oder durch dieses Land. Doch eines Tages kam ein Wanderer aus fernen Ländern des Weges. Er wunderte sich über die Griessgärmigkeit dort, und fragte nach den Gründen. So erfuhr er, dass der König ein unzufriedener, unfreundlicher, aber auch ein einsamer Mensch war.<br />
Der Wanderer aus fernen Ländern machte sich Gedanken darüber, dass ein einzelner Mann, wie mächtig er auch sein mochte, kein Recht habe, andere ihres Glückes zu berauben. Und er überlegte, wie er den König umstimmen könnte, wie er ihm zeigen könnte, wie schön das Leben sein kann, wenn man freundlich, hilfsbereit und glücklich ist. Das war natürlich schwierig, doch der Wanderer aus fernen Ländern war ein Zauberer, und ein richtiger Zauberer ist sehr klug und sehr gewandt in seinen geistigen Fähigkeiten. So machte er sich nach einiger Zeit auf, den König zu besuchen.</p>
<p>Der König war nicht erfreut, einen Gast an seinem Hofe zu haben. Noch dazu einen, der zufrieden und ausgeglichen zu sein schien. Sofort dachte er darüber nach, wie er diesem Tunichgut das Handwerk legen und entweder vertreiben oder unglücklich machen könne. Doch der Zauberer aus fernen Ländern durchschaute das Spiel des Königs, und diskutierte stundenlang mit ihm darüber, was Zufriedenheit wäre und wie glücklichsein sich denn anfühle. Der Zauberer erfuhr auch von der Tochter des Königs, und schon reifte ein Plan in ihm.</p>
<p>„Herr König“, sagte er, „ wenn ich es schaffe, dass ihr nur für einen kleinen Moment wisst, was es bedeutet, glücklich zu sein, werdet ihr dann die Knechtschaft von den Menschen dieses Landes nehmen?&#8221;<br />
Der König überlegte. Der Zauberer aus fernen Ländern &#8211; der König wusste natürlich nicht, dass jener ein Zauberer war &#8211; sollte verschwinden. Doch er liess nicht locker. So wollte er sich zum Schein auf dessen Spiel einlassen, um ihm hernach zu beweisen, dass gücklichsein nicht zu den Pflichten eines Königs gehörte. Der Zauberer durchschaute auch diesen Trick &#8211; doch er wusste ebenfalls, dass, wenn der König nur einen Moment lang glücklich wäre, er dieses Gefühl niemals vergessen würde und das Eis seines Herzens hinwegschmelzen würde.<br />
Der ewige Winter seiner Seele wäre dann beendet, und so, wie der Frühling in das Land ziehen würde, würde er auch Einzug halten im Herzen des Königs.<br />
Also bat der Zauberer den König, ihm seine Tochter vorzustellen. Der König sträubte sich zunächst dagegen, seiner Tochter diesen dahergelaufenen Wanderer aus fernen Ländern zu präsentieren, doch der Zauberer überzeugte den König schliesslich.</p>
<p>So begab es sich, dass die Königstochter auf der Wiese lag, den Wolken zuschaute, wie sie langsam und bedächtig über den weiten, blauen Himmel zogen und dem Summen der Wiese lauschte.<br />
Sie freute sich über den unerwarteten Besuch, denn der Wanderer aus fernen Ländern war nicht nur ein Zauberer, sondern auch ein gutaussehender, stattlicher Mann mit einem feingeschnittenen Gesicht und aufrichtigen, freundlich blickenden Augen.<br />
„Oh Vater, welch Freude du mir bereitest“, rief sie aus.<br />
„Mein Kind&#8230;“, begann der König, verstummte jedoch sogleich wieder, denn Tief in ihm, tiefer, als je ein Mensch geblickt hatte, spürte er wieder jenes unbekannte, seltsame Gefühl und wollte seinen Leibarzt rufen lassen, hatte schon den Mund geöffnet, um nach ihm zu schicken, doch plötzlich&#8230;.<br />
„Wie wunderbar“, sagte die Tochter des Königs, „Vater, hör doch&#8230;. jemand flüstert uns zu.“<br />
Mit offenem Munde verharrte der König und lauschte der leisen, kaum vernehmbaren, doch klaren Stimme. Sie sang. Sie erzählte. Sie sprach von weiten Ebenen, von wilden Pferden, von schönen Frauen und grossen Helden, von Liebenden, die sich fanden, von der Sonne, dem Mond und den Sternen, vom Meer und den Wellen, die an einen einsamen, weissen Strand rollten. So eindringlich waren die Worte, dass der König garnichts mehr sagen konnte. Und aus der Tiefe seines Herzens, da stieg dieses seltsame Gefühl, das ihm so unheimlich war, hinauf zu seinem Kopf, seinen Augen und Ohren, sogar in seine Nase drang es und legte sich süss und leicht auf seine Zunge.</p>
<p>„Wie seltsam“, dachte der König. „Meine Tochter erscheint mir hübscher denn je, und die Blumen auf der Wiese, sie leuchten heller als sonst&#8230;..“<br />
Und plötzlich huschte über seine sonst so mürrisch verkniffenen Lippen ein Lächeln.<br />
„Ach Vater, wie sehr ich doch liebe für deine Gutmütigkeit, deine Grossherzigkeit gegenüber deinen Untertanen. Und wie sehr liebe ich dich dafür, dass du mein Vater bist und mir deine Zuneigung zeigst.“</p>
<p>Solche Worte waren dem König noch nie zu Ohren gekommen, und er konnte garnicht mehr anders als zu lächeln, seine Tochter in die Arme zu schliessen und schiesslich in Tränen auszubrechen. Denn just in diesem Moment war etwas in ihm erwacht, dass schon viel zu lange eingesperrt war und geschlummert hatte. Und dieses Etwas überwältigte ihn.<br />
Er sah zu dem Wanderer aus fernen Ländern, und über seine Lippen kam ein Wort, das er noch niemals ausgesprochen hatte und dessen Bedeutung ihm fast schon abhanden gekommen war.</p>
<p>„Danke.“</p>
<p>Der Zauberer lächtelte.<br />
„Nun, Herr König, was fühlt ihr?“<br />
„Ich weiss es nicht, mein Freund. Es gibt keine Worte dafür, die ich gebrauchen könnte, es zu umschreiben. Es ist einfach da, und es ist schön. Sag mir, Wanderer, ist das Glück? Fühlt sich so Glücklichsein an?“<br />
„Herr König, was ihr in diesem Moment empfindet, das ihr nicht in Worte kleiden könnt, ist etwas, das euren Untertanen schon lange bekannt ist, jedoch durch unbarmherzige Gesetze unterdrückt wird. Lasst ab von diesen Gesetzen. Hebt sie auf. Eure Untertanen werden sich fühlen wie ihr. Glücklich. Zufrieden.“<br />
„Ja, du hast recht. Doch sage mir, Fremder, was ist geschehen?“<br />
„Herr König, sagt mir zunächst, glaubt ihr an Zauberer, oder an Magie? An Drachen? Zwerge, Elfen und Riesen?“<br />
Der König überlegte.<br />
„Nein“, sagte er schliesslich, „ich glaube nicht daran. Doch wäre es wunderbar, wenn ich davon hören könnte. Wenn jemand hier wäre, der Geschichten über solches kennt und mir, meiner Tochter und meinen Untertanen davon zu berichten wüsste.“<br />
„Nun, Herr König, ich kenne viele solcher Geschichten. Und seid versichert, dass alle Geschichten, die ich kenne, war sind. Denn ich bin ein Zauberer, und ich legte meine Magie auf diese Wiese, auf dass sie euch von den schönsten Dingen meiner Welt berichte.“<br />
„Ein wirklicher Zauberer seid ihr also. Und all eure Geschichten sind wahr, sagt ihr? Bleibt bei uns, und erzählt uns von eurer Welt, von den wundersamen Wesen, die dort leben, und den verträumten Begebenheiten, die sie durchwandern. Bitte, bleibt bei uns.“<br />
„Das würde ich gern, doch meine Wanderschaft ist noch nicht beendet, noch lange nicht. Viele Länder möchte ich bereisen und Geschichten sammeln, Magie wirken und Freude bringen.“<br />
„Oh bitte, lieber Zauberer,“, bat die Tochter des Königs, „bleibt. Und wenn ihr um meinetwillen bleibt, ich bitte euch &#8211; beendet eure Wanderschaft, denn wenn ihr hier auch nicht findet, was ihr suchen mögt, so habt ihr doch etwas anderes gefunden bei uns. Eine Aufgabe. Wir haben wunderschöne Wiesen, die ich aus den Berichten meiner Diener kenne. Verzaubert sie. Verzaubert sie alle. Ich bitte euch, bleibt bei uns und schenkt uns all eure Geschichten.“</p>
<p>Und so kam es, dass der Zauberer aus fernen Ländern nicht mehr weiterzog und bei dem König und seiner Tochter blieb. Nach und nach erliess der König neue Gesetze und schaffte die alten ab. Und mit jedem neuen Gesetz, dass er erliess, und jedem, dass er abschaffte, verzauberte der Wanderer aus fernen Ländern, der nun eine Heimat gefunden hatte, eine Wiese. Er schenkte den Menschen seine Geschichten, indem er die flüsternden Blumenwiesen sie erzählen liess&#8230;.</p>
<p>Was aus dem Zauberer wurde, ist unbekannt. Ob er die Tochter des Königs heiratete, weiss man nicht. Und ob der König noch lebt, hat noch niemand erfahren. Doch, wenn du dich mal auf einer Blumenwiese ausruhst und dich am Duft der Blummen und dem Summen der Insekten erfreust, dann lausche doch einmal&#8230;. und vielleicht hörst du, wie die Wiese leise flüstert.<br />
Vielleicht erzählt sie dir ja von einem Wanderer aus fernen Ländern, der den Menschen Glück brachte und einen König zu einem wahren, freundlichen und guten König machte&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.udokupsch.de/2009/12/eine-flusternde-blumenwiese/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mit dem weissen Drachen fliegen</title>
		<link>http://www.udokupsch.de/2009/12/mit-dem-weissen-drachen-fliegen/</link>
		<comments>http://www.udokupsch.de/2009/12/mit-dem-weissen-drachen-fliegen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 00:18:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rockrebell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Drachen]]></category>
		<category><![CDATA[Etherianus]]></category>
		<category><![CDATA[Fa Áchior Ak Élchém]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://udokupsch.de/?p=65</guid>
		<description><![CDATA[Da stand mal einer, mitten auf dem Feld, und träumte vor sich hin. Das war so einer, der nie etwas erreicht hatte. Der nie etwas aus seinem Leben gemacht hatte, der nichts konnte, der nichts ernst nahm und einfach so in den Tag hinein lebte, und von dem keiner wusste, wo er hergekommen war. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da stand mal einer, mitten auf dem Feld, und träumte vor sich hin. Das war so einer, der nie etwas erreicht hatte. Der nie etwas aus seinem Leben gemacht hatte, der nichts konnte, der nichts ernst nahm und einfach so in den Tag hinein lebte, und von dem keiner wusste, wo er hergekommen war.<br />
Die anderen redeten nicht gut über ihn, weil er so ein Taugenichts war, ein Tagedieb, noch nicht mal ein Tagelöhner. Der schlief im Wald, wenn es Sommer war, und schlich sich in die Scheunen im Winter. Manchmal konntest Du ihn im Regen tanzen sehen, ganz nackt, und der schämte sich noch nicht mal, so einfältig war der.</p>
<p>Trotzdem wurde er geduldet, weil er mit den Kindern spielte, und so manche Handreichung bei der täglichen Arbeit machte, die sonst keiner machen wollte. Und er hatte ja keinem was getan, ausser, dass er manchmal um Essen bettelte. Aber er verlangte nie einen Lohn oder einen Dank, wenn half, und er half, ohne dass ihn einer fragen musste. Ein komischer Kauz eben, den man zwar grüsste, aber sonst nicht viel mit ihm zu tun hatte.</p>
<p><span id="more-65"></span></p>
<p>Und wenn einer traurig war, dann wusste der komische Kerl scheinbar immer, wer das war, und setzte sich einfach dazu. Sonst machte das keiner, denn wenn einer traurig war, dann liess man den doch in Ruhe. Aber jeder wusste, dass der komische Kauz eben so war, und so nahm ihm keiner übel, wenn er das machte. Im Gegenteil: Es dauerte meist nicht lange, da hörten die Leute auf zu weinen, und guckten nicht mehr so traurig drein. Den komischen Kauz hatte auch noch keiner sprechen hören, und dachten alle, dass er nicht reden könne. Deshalb stellte er auch keine Fragen, und dem konnte man auch alles erzählen, der hörte solange zu, bis sich einer alles vom Herzen geredet hatte.</p>
<p>Der komische Kauz, so haben ihn alle genannt. Keiner wusste, wie alt er war, er schien noch sehr jung zu sein, so sah er zumindest aus. Und der stellte sich auch an wie ein ganz Junger, wenn er was machen sollte. Immer, wenn man ihm irgendwas auftrug, machte er es falsch. Oder kaputt. Deshalb fragte ihn auch keiner mehr. Aber wenn er half, dann war er auf einmal da, reichte Dir den Hammer, der gerade ausser Reichweite lag, und Du gerade ein Brett in Position halten musstest, das Du dann hättest loslassen müssen. Schwupps, war er da, und reichte Dir den Hammer. Aber mehr schien er nicht zu können.</p>
<p>Da stand er also, der komische Kauz, mitten auf einem Feld, guckte in die Luft, auf die Bäume, den Vögeln hinterher, und schien damit sehr zufrieden zu sein&#8230;</p>
<p>Da hörte er plötzlich ein Rauschen in der Luft, so, als ob ein Schwarm riesengrosser Vögel auf einmal aufgeflogen wäre. Und als er sich umdrehte, da stand vor ihm ein grosser, weisser Drache.</p>
<p>&#8220;Hallo&#8221;, sagte der komische Kauz, und weil kein Mensch in der Nähe war, der ihn hätte hören können, merkte auch niemand, dass er doch sprechen konnte.<br />
&#8220;Hallo&#8221;, sagte der weisse Drache, und fragte: &#8220;Wie heisst Du?&#8221;<br />
&#8220;Ach, ich hab keinen Namen. Nenn mich, wie Du willst.&#8221;<br />
&#8220;Das ist ja was, ein Mensch, der keinen Namen hat? Du scheinst ja ein besonderer Mensch zu sein, hm?&#8221;<br />
Der komische Kauz überlegte.<br />
&#8220;Nein, etwas Besonderes ist wohl nicht an mir. Ich hab nie was aus meinem Leben gemacht, hab nie was erreicht, und nehme nichts ernst. Das sagen die anderen Menschen.&#8221;<br />
&#8220;Ach. Das sagen sie?&#8221;<br />
&#8220;Ja. Warum fragst Du das, weisser Drache?&#8221;</p>
<p>Der weisse Drache hob den Kopf und lachte.<br />
&#8220;Na, ganz einfach. Menschen können uns weisse Drachen normalerweise garnicht sehen, weisst Du? Sie können uns noch nicht einmal hören, und wir meiden ihre Nähe, weil sie so hektisch und ernst und so laut sind. Aber Dich habe ich schon aus der anderen Welt gesehen, und wenn Du noch keinen Namen hast, dann bist Du wohl der, den ich gesucht habe.&#8221;<br />
&#8220;Du hast mich gesucht? Ich würde sagen, Du hast mich gefunden.&#8221;</p>
<p>Da lachte der weisse Drache wieder, und seine warmen, goldfarbenen Augen fingen an zu leuchten.<br />
&#8220;Ja, ja, da hast Du Recht, Mensch, ich habe Dich gefunden, und wenn es eine Bestätigung gebraucht hätte, dann hast Du sie mir gerade gegeben.&#8221;<br />
Der komische Kauz war neugierig geworden.<br />
&#8220;Was ist das für eine andere Welt, weisser Drache?&#8221;<br />
&#8220;Oh, nun, Du musst wissen, dass es ausser dieser Welt noch viele andere Welten gibt, unzählige Welten sogar, und alle sind belebt mit den unterschiedlichsten Lebewesen. Aber nur die Wenigsten können die anderen Welten und die Lebewesen darin sehen, und Du scheinst mir einer zu sein, der sehen kann. Zumindest die Welt, aus der ich komme.&#8221;<br />
&#8220;Aber Du kannst doch auch diese Welt sehen.&#8221;<br />
&#8220;Ja, das stimmt. Ich kann sogar noch mehr Welten sehen, und sogar zwischen den einigen Welten herumreisen. Wir weissen Drachen haben sehr viel Geschick in dieser Sache, weisst Du?&#8221;<br />
&#8220;Hm, ja, jetzt schon. Aber sag mir, warum hast Du mich denn gesucht?&#8221;</p>
<p>Der weisse Drache legte sich auf den Bauch und sah den komischen Kauz lange an. Dann sagte er: &#8220;Nun, ich muss es Dir so oder so erzählen. Aber zunächst möchte ich Dir meinen Namen nennen. Dazu musst Du wissen, dass wir weissen Drachen unsere Namen nur sehr selten einem anderen Wesen nennen, sogar unter uns behalten wir unsere Namen meist für uns. Denn unseren Namen wohnt eine grosse Macht inne, wenn er richtig ausgesprochen wird, können damit mächtige Zauber gewirkt werden.&#8221;<br />
Da unterbrach der komische Kauz den weissen Drachen.<br />
&#8220;Oh, dann möchte ich Deinen Namen garnicht wissen. Ich verstehe nichts von der Zauberei, und würde bestimmt irgendein Unheil anrichten und ihn wahrscheinlich im Schlaf aussprechen.&#8221;<br />
&#8220;Nein nein, da mach Dir mal keine Sorgen. Ich kann in Dein Herz sehen, weiss Du? Und ich weiss, dass Du soetwas niemals tun würdest, noch nicht einmal unbewusst oder im Schlaf. Und ich sehe auch, dass Du Deinen eigenen Namen nicht kennst, weil Du ihn vergessen wolltest.&#8221;</p>
<p>Jetzt war der komische Kauz verblüfft. &#8220;Ich wollte meinen Namen vergessen&#8230;?&#8221;<br />
&#8220;Ja, weil auch Dein Name ein sehr mächtiger Name ist. Aber selbst das hast Du vergessen. Die Gründe dafür kann ich jedoch nicht sehen, sie sind selbst mir verborgen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Das verstehe ich nicht, weisser Drache. Warum sollte ich meinen Namen vergessen wollen?&#8221;<br />
&#8220;Weil Du ein Mensch reinen Herzens bist. Du hast noch all die Gaben und Fähigkeiten, wie sie auch die kleinen Menschenkinder noch besitzen, bevor sie ihnen ausgetrieben werden. In dieser Welt ist die Magie sehr schwach, und wenn sie benutzt wird, dann meist von solchen, die für ihre eigenen Zwecke einsetzen, und das ist nur selten zum Wohle anderer Lebewesen. Aber ich bin sicher, dass Du Dich an all das erinnern wirst, wenn ich Dir Deinen Namen sage.&#8221;</p>
<p>&#8220;Oh, bitte, weisser Drache, ich glaube, ich möchte meinen Namen garnicht wissen, und erst recht nicht hören, wenn da eine so grosse Macht drin liegt.&#8221;<br />
Da lachte der weisse Drache.<br />
&#8220;Ich sagte Dir schon, dass Du Dir keine Sorgen deswegen machen brauchst. Du würdst weder meinen, noch Deinen, noch den Namen von irgendeinem anderen Lebewesen jemals zum Nachteil von irgendjemandem einsetzen, nicht unbewusst, nicht freiwillig, und erst recht nicht, wenn Dich jemand dazu zwingen will.&#8221;<br />
&#8220;Das geht? Jemanden zwingen, einem anderen Menschen zu schaden?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, das geht. Menschen können sogar gezwungen werden, sich selbst zu schaden. Das passiert in Deiner Welt andauernd. Die Menschen hier haben sehr viel Angst, weisst Du? Und andere Menschen, die zwar auch Angst haben, aber ihre Gefühle verstecken, vergraben und verdrängen, nutzen diese Angst aus, sie schüren sie sogar mit Lügen.&#8221;<br />
Der komische Kauz war entsetzt. &#8220;Solche Menschen gibt es?!?&#8221;<br />
&#8220;Ja, solche Menschen gibt es. Du kannst sie nicht erkennen, was einerseits schlecht ist, aber Du kannst zu nichts gezwungen werden und kennst keine Angst, weil Dein Herz mutig und stark ist.&#8221;</p>
<p>Nun sagte der komische Kauz garnichts mehr und war zum ersten Mal in seinem Leben traurig. Er fing an, zu weinen, und schluchzte: &#8220;Aber&#8230; Aber warum&#8230; Warum sind Menschen denn so böse? Niemand tut ihnen was, und bisher dachte ich, dass die Menschen gut sind&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Das, mein lieber Freund, liegt daran, dass Du immer das Gute in den Menschen siehst, das in jedem Menschen, in jedem Lebewesen vorhanden ist. Du hast sogar die Gabe, dieses Gute zu stärken, die Menschen zum leuchten zu bringen und ihre Angst und Trauer zu vertreiben.&#8221;<br />
&#8220;Das&#8230; Das kann ich?!?&#8221;, wunderte sich der komische Kauz.<br />
&#8220;Ja. Oder hast Du noch nie gemerkt, dass die Menschen in Deiner Gegenwart sich freundlicher verhalten, dass ihre Trauer schwindet und ihre Angst auch?&#8221;<br />
&#8220;Naja, doch&#8230; Jetzt, wo Du es sagst, fällt es mir auf, dass es den Menschen besser geht, wenn ich mich neben sie setze, wenn sie traurig, mutlos oder voller Angst sind.&#8221;<br />
&#8220;Und hast Du Dich noch nie gefragt, woher Du immer weisst, wer gerade traurig ist, oder Angst hat, oder Hilfe braucht?&#8221;<br />
&#8220;Öhm&#8230; Nein. Ehrlich gesagt, nicht. Ich dachte, alle Menschen könnten das.&#8221;</p>
<p>Der weisse Drache seufzte. &#8220;Ja, das können sie auch. Aber sie haben es vergessen. Deshalb habe ich Dich übrigens gesucht.&#8221;<br />
&#8220;Jetzt verstehe ich garnichts mehr. Entschuldige bitte, aber könntest Du mir jetzt erklären, warum Du gerade mich gesucht hast?&#8221;</p>
<p>Der weisse Drache stand auf.<br />
&#8220;Aber natürlich! Sehr gerne sogar. Und das muss ich auch, denn sonst könntest Du Deine Aufgabe ja garnicht erkennen.&#8221;<br />
&#8220;Ich habe eine Aufgabe?&#8221;<br />
&#8220;Ja. Aber jetzt &#8211; der Reihe nach. Ich werde Dir zuerst Deinen, und dann meinen Namen sagen. Und dann werde ich Dir erklären, was weiter passieren wird. Bist Du bereit dafür?&#8221;<br />
&#8220;Ich weiss nicht&#8230; Ein bisschen Angst habe ich schon, nach allem, was Du mir erzählt hast über die Macht von Namen&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Und ich sage Dir gerne nocheinmal, dass Du Dir keine Sorgen machen musst, und auch keine Angst zu haben brauchst.&#8221;<br />
&#8220;Gut. Ich vertraue Dir.&#8221;</p>
<p>Der Drache streckte seinen Hals, so er höher aufragte als der höchste Kirchturm, den der komische Kauz jemals gesehen hatte.<br />
&#8220;Dein Name, lieber Freund, lautet ETHERIANUS.&#8221;<br />
Der komische Kauz zuckte zusammen, denn plötzlich durfuhr ihn ein so merkwürdiges Gefühl, als sei er mit eiskaltem Wasser übergossen und in eine Grube mit glühenden Kohlen geworfen worden. Er erinnerte sich, dass er einmal ein sehr mächtiger weisser Zauberer gewesen war, und ihm somit auch ein sehr viel längeres Leben beschert war als den anderen Menschen. Er erinnerte sich an einen grossen Krieg, in dem er soviel Elend und Leid gesehen hatte, dass er es nicht ertragen konnte, dieses Wissen ein ganzes Leben lang mit sich herumzutragen.</p>
<p>&#8220;Oh, weisser Drache, ich wünschte, Du hättest mir meinen Namen nicht genannt. Denn jetzt erinnere ich mich an eine sehr schlimme Zeit. Aber das alles ist schon lange her, und es schmerzt mich nicht mehr so wie früher.&#8221;<br />
&#8220;Ja, es scheint, mein liebe Janus, dass die Zeit viele Wunden in Dir geheilt hat. Ich verstehe jetzt auch, warum Du das alles vergessen wolltest, denn nun kann ich es auch sehen. Aber das liegt lange zurück, und wenn es damals für Dich nicht zu ertragen war, dann ist es wohl jetzt an der Zeit, dass Du all diese Erlebnisse endlich verarbeiten kannst.&#8221;</p>
<p>&#8220;Das hast Du wohl recht, weisser Drache. Ich spüre auch, dass es Zeit wird, mit all dem Elend und Leid meinen Frieden zu schliessen. Doch nun sage mir Deinen Namen, denn ich fühle, dass es wichtig ist.&#8221;</p>
<p>&#8220;Oh ja, Janus, das ist es wirklich. Mein Name lautet FA ÁCHIOR AK ÉLCHÉM.&#8221;<br />
Janus spürte, wie die Luft zu vibrieren begann, als Áchior seinen Namen aussprach, wie sich gewaltige Kräfte um sie herum sammelten und langsam wieder verblassten.</p>
<p>&#8220;Das ist in der Tat ein mächtiger Name, und ich verstehe, warum Ihr Eure Namen nicht jedem Preis gebt. Aber jetzt sage mir noch, Áchior, welche Aufgabe ist es, die auf mich wartet? Welche Kräfte müssen beschworen werden, um sie zu erfüllen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach, nein, keine grossen Kräfte, Janus&#8221;, lächelte der Drache, &#8220;Und es ist auch keine grosse Aufgabe, nicht desto trotz ist sie sehr wichtig für mich und die anderen Drachen. Wir brauchen nämlich einen Drachenreiter.&#8221;</p>
<p>&#8220;Einen&#8230; Einen Drachenreiter?&#8221;, fragte Janus verdutzt.</p>
<p>&#8220;Ja, einen Drachenreiter. Nur kann nicht jedes beliebige Wesen einen Drachen reiten. Es muss ein reines, mutiges Herz haben, es muss seine eigene Liebe zum leuchten bringen können, und solche Lebewesen sind sehr selten. Oh, natürlich kann jedes Wesen all das, aber nicht in dem Maße, wie es für einen Drachenreiter erforderlich ist.&#8221;</p>
<p>&#8220;Hm. Und warum sollte ich einen Drachen reiten?&#8221;</p>
<p>&#8220;Dazu muss ich Dir ein wenig über mein Volk, die weissen Drachen erzählen. Alle 21.000 Jahre brauchen wir eine neue Königin. Das ist nämlich ihre Lebensspanne. Ohne Königin könnte mein Volk nicht lange existieren, denn sie ist die Quelle unserer Kraft, und zugleich die einzige Drachenfrau, die Nachkommen haben kann. Es ist so, dass wir zwar sehr lange leben, aber unserer Körper nicht unsterblich sind. Das ist auch gut so, denn wir werden geboren, wir wachsen auf, wir werden alt, und damit auch gebrechlich. Und die Essenz, die uns unsere Seelenkraft gibt, ist an einen materiellen Körper gebunden.<br />
Du musst wissen, dass wir vom Volke der weissen Drachen früher rein geistige Wesen waren, bis wir uns entschieden, in die reale, materielle Welt zu gehen. Das hatte viele Gründe, die ich jetzt nicht weiter erklären kann. Damit unsere Seelen, und damit das, was wir wirklich sind, in der materiellen Welt bleiben kann, braucht unsere Selle  gewisse Fähigkeiten und Kräfte, die wir durch die Essenz erhalten. Diese Essenz verbraucht sich, und wenn sie verbraucht ist, stirbt der Körper, und wir müssen einen neuen Körper finden.<br />
Dafür ist unsere Königin da. Du musst wissen, dass alle weissen Drachen von der Königin geboren werden. Nur die Königin selbst muss aus einem Kristallei schlüpfen, denn sie ist anders als wir übrigen Drachen.<br />
Der Ort, an dem die Kristalleier wachsen, ist für uns allein jedoch unauffindbar. Für ein Wesen reinen Herzens, das seine Liebe leuchten lassen kann, ist jedoch ganz einfach, diesen Ort zu finden &#8211; seine Liebe wird ihm den Weg weisen, und es muss dem auserwählten Drachen sagen, wo sich dieser Ort befindet. Es ist noch nicht einmal gefährlich, es ist mehr wie ein Spazierflug. Die einzige Schwierigkeit besteht für uns darin, ein solches Wesen zu finden. Und ich bin seeeehr glücklich, dass ich Dich, lieber Janus, endlich gefunden habe.&#8221;</p>
<p>Janus brauchte eine Weile und musste ein paar mal nachfragen, bis er er sicher war, dass es wirklich so einfach war, wie es zu sein schien.</p>
<p>&#8220;Lass mich raten, Áchion,&#8221;, sagte Janus,&#8221; DU bist der auserwählte Drache, der mit meiner Hilfe ein neues Kristallei finden soll.&#8221;<br />
&#8220;Ganz genau. Es wird auch garnicht lange dauern, bis zum Abend werde ich Dich wieder hier absetzen. Oder an einem anderen Ort, falls Du es wünscht. Bist Du bereit?&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber natürlich! Sehr gerne werde ich Dir helfen, lieber Drache, aber sag mir noch eins: Was wäre passiert, wenn Du mich nicht, oder zu spät gefunden hättest?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ein zu spät kann es nicht geben, Janus. Und wenn ich Dich NICHT gefunden hätte, dann würde es keine weissen Drachen mehr geben, verstehst Du? Zumindest nicht als körperliche Lebewesen. Wenn kein neuer Körper mehr da ist, dann bleiben wir das, was wir schon immer waren &#8211; geistige Wesen. Diese Zeit wird sicherlich irgendwann wieder anbrechen, Janus, denn so sagen es unsere Legenden. Aber bis dahin, hoffe ich, werden noch viele Königinnen aus einem Kristallei schlüpfen. Nun, Janus?&#8221;</p>
<p>Janus kletterte auf den Áchions Rücken, und dieser breitete seine grossen Flügel aus. Mit einem Satz waren sie in der Luft.<br />
Der Wind pfiff Janus um die Nase, er blickte nach unten und sah, dass #Achion sehr schnell flog.</p>
<p>&#8220;Eins hast Du mir noch nicht verraten, Áchion. Nämlich, wie ich meine Liebe leuchten lassen soll.&#8221;<br />
&#8220;Glaub mir, Du wirst es zum richtigen Zeitpunkt wissen.&#8221;<br />
&#8220;Wann soll das sein?&#8221;<br />
&#8220;Oh, das werden wir sehen.&#8221;, sagte Áchior, und lachte.</p>
<p>Sie waren eine Weile geflogen, und Janus genoss die Aussicht. Mit einem Male wurde ihm ganz warm ums Herz, er lächelte und sagte: &#8220;Dort entlang, mein Freund!&#8221;, und deutete nach links. Áchior flog in diese Richtung, und nun konnten beide in der Ferne das Meer sehen.<br />
Sie flogen über weite, grüne Wiesen mit vielen bunten Blumen.<br />
&#8220;Das ist das Königreich Merl.&#8221;, sagte Janus. &#8220;Vor langer Zeit gab es dort einen sehr unglücklichen König, der sein Volk mit Gesetzen daran hinderte, ein schönes Leben zu führen. Zum Beispiel durfte niemand bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang draussen sein, damit sich niemand an dem Anblick erfreuen konnte. Tagsüber durfte auch niemand in die Wälder gehen und den Vögeln lauschen, auch Blumen zu pflücken war streng verboten, und Geschenke waren nur einigen wenigen Menschen vorbehalten. Die meisten Verstösse wurden mit langen Gefängnisstrafen und Enteignung geahndet, viele sogar mit dem Tod.&#8221;<br />
&#8220;Das hört sich nicht sehr angenehm an, Janus. Was ist damals geschehen?&#8221;<br />
&#8220;Nun, ein Wanderer kam in dieses Land, und schloss mit dem König eine Wette ab. Der König war darauf aus, den Fremden schnell wieder loszuwerden, da er offenbar sehr glücklich zu sein schien. Aber der Fremde durchschaute diesen Gedanken, und schlug dem König eine Wette vor: Wenn er es schaffte, dem unglücklichen König zu zeigen, was Glück und Zufriedenheit bedeuten, sollte dieser die einengenden Gesetze zurücknehmen.&#8221;<br />
&#8220;Und? Wie hat er das gemacht? Denn dass er es geschafft hat, daran zweifle ich nicht. Die Wiesen dort unten höre ich sogar leise Geschichten raunen.&#8221;<br />
&#8220;Nun, der Fremde erfuhr, dass der König auch eine Tochter hatte, die er sehr liebte, sich dessen aber nicht bewusst war. Die Tochter lebte die ganze Zeit im Königsschloss, und so half der Fremde ein wenig nach, dass sie genau in diesem Moment zu ihrem Vater ging. Sie freute sich über den unerwarteten Besuch, und weil sie nichts davon wusste, wie schlecht es dem Volk ging, war sie sehr glücklich und liebte ihren Vater über alles. Ihr Vater war sich dessen zwar bewusst, aber er liess diese Gefühle einfach nicht zu.<br />
Aber seine Tochter freute sich so sehr, dass die Mauern um sein Herz zu bröckeln begannen, und der Fremde, der auch ein Zauberer war, legte einen Zauber auf die Wiese, auf der sie gerade standen. Der König hörte plötzlich leise Stimmen, die von weiten Ebenen, wilden Pferden, Drachen und vielerlei Wundersamen zu ihm sprachen. Das brachte die Mauern zum Einsturz, und zum ersten Mal seit langen war der König wieder glücklich.&#8221;<br />
&#8220;Lass mich raten &#8211; der Fremde warst Du, nicht wahr?&#8221;<br />
&#8220;Ja. Es ist schon lange her, aber ich erinnere mich gerne an diese Geschichte. Ich blieb eine lange Zeit dort, und erweckte viele Wiesen, die heute noch Geschichten erzählen, wenn man sich hinsetzt oder hilegt und ganz still ist. Erst viele Jahre später bin ich weiter gezogen, als der König und seine Tochter längst vergessen waren und niemand mehr wusste, wer ich war.&#8221;</p>
<p>Janus schwieg. Es schien, als ob über dem jetzt nahen Meer ein Licht zu leuchtete.<br />
&#8220;Ich sehe etwas, Àchior. Flieg in diese Richtung, und tiefer, es scheint ganz in der Nähe zu sein, wenn ich meine Gefühle richtig deute.&#8221;<br />
&#8220;Im Meer?&#8221;, fragte der weisse Drache ein wenig verunsichert. &#8220;Ich kann im Wasser nicht überleben, wenn es so wäre, könnte ich das Kristallei nicht holen. Bist Du Dir ganz sicher?&#8221;<br />
&#8220;Ja. Ich kann es fühlen. Ganz deutlich sogar. Ich weiss aber auch nicht, wie es gehen soll, wenn Du kein Wasser verträgst. Hier! Genau hier!&#8221;, rief Janus plötzlich, &#8220;Genau hier muss es sein!&#8221;.<br />
Àchior kreiste über der Stelle, die Janus ihm gezeigt hatte.<br />
&#8220;Nein. Nein, das kann nicht sein, Janus. Wenn es so ist, kann ich das Ei unmöglich herbeiholen. Janus..?&#8221;</p>
<p>Doch Janus war schon von Àchiors Rücken gesprungen, und im Wasser verscwunden.<br />
&#8220;Vertrau mir!&#8221;, hörte der weisse Drache ihn noch rufen, dann war er nicht mehr zu sehen.</p>
<p>&#8220;Oh je&#8230;&#8221;, sagte Àchior zu sich selbst, und kreiste weiter über der Stelle.</p>
<p>Janus tauchte in das Wasser, denn etwas in ihm hatte gesagt, dass es das einzig Richtige sei. Er tauchte immer tiefer, und fragte sich, wie er unter Wasser atmen sollte. Kaum hatte er diesen Gedanken zu ende gedacht, als ihm bewusst wurde, dass er schon längst atmen konnte. &#8220;Unter Wasser atmen?&#8221;, wunderte er sich, und stellte fest, dass er Luft, und nicht Wasser atmete. Um seinen Körper herum war ein helles, reinweisses Licht, Liebe strahlte aus seinem Herzen, und vor sich konnte er ein Licht sehen, das ihn führte.<br />
Immer tiefer tauchte Janus, bis er den Grund des Meeres erreichte. Das Licht wies ihm den Weg zu einer Höhle. Vor dieser Höhle lag eine riesengrosse Schlange, die zu schlafen schien.<br />
Vorsichtig näherte sich Janus, und als er den Höhleneingang fast erreicht hatte, öffnete die Schlange ein Auge, und ihr Körper rollte sich vor den Eingang.<br />
&#8220;Wer izzzzzzzt dazzzzzzzzz?&#8221;, zischelte sie.<br />
&#8220;Ich bin ein Mensch, und ich bin gekommen, um das Kristallei aus dieser Höhle zu meinem Freund, dem weissen Drachen zu bringen.&#8221;<br />
&#8220;Wazzz izzzzzzzt Dein Name? Und wazzzz izzzzzt der Name Deinezzzzzz Freundezzzzz?&#8221;<br />
Janus war sich bewusst, dass er auf keinen Fall seinen oder den Namen des weissen Drachen sagen durfte, ja, er durfte noch nicht einmal daran denken. Dabei hatte sein Freund ihm doch gesagt, dass es ganz einfach sei, das Ei zu holen.<br />
&#8220;Warum willst Du das wissen? Und warum versperrst Du mir den Weg in die Höhle?&#8221;<br />
&#8220;Dazzzzzz geht Dich garnichtzzzzzz an, Menschlein, zzzzzzzzz.&#8221;<br />
&#8220;Wenn es mich nichts angeht, was geht Dich dann mein Name an?&#8221;<br />
&#8220;Zzzzzzz, gut, gut gefragt, zzzzzz&#8221;, zischelte die Schlange zurück. &#8220;Aber ich bezzzzzztimme, wer in diezzzzzzze Höhle hineinschwimmt.&#8221;<br />
&#8220;Wie Du siehst, schwimme ich nicht, Schlange. Ich gehe auf zwei Beinen, und nun lass mich durch, denn ich habe wenig Zeit und keine Lust, mit Dir herum zu rätseln.&#8221;<br />
&#8220;Rääätzzzzzelll&#8230;&#8221;, zischelte die Schlange zurück, &#8220;Rätzzzel mag ich gerrrrne, wenn Du mit mir rääääätzzzzzelllllzzzzt, dann lazzzzzzze ich Dich vielleiiiiicht hinein.&#8221;<br />
Janus überlegte. Sollte er sich darauf einlassen? Sein Herz sagte ihm, dass er so schnell wie möglich das Ei besorgen und dann wieder verschwinden solle. Aber dann blickte Janus tief in das Herz der Schlange, und sah&#8230;<br />
&#8220;Du stellst Bedingungen, um mich in die Höhle zu lassen? Was bildest Du Dir ein? Ich sehe keinen Grund, warum Du mir weiterhin die Zeit stehlen solltest!&#8221;<br />
&#8220;Du bizzzzzzzt mutig, Menschschschschlein, dazzzzzzz muzzzzzzz ich schschschschon zzzzzzzagennnnn.&#8221;<br />
Janus ging auf die Schlange zu und setzte an, einfach über sie hinweg zu klettern.<br />
&#8220;ZZZZZZzzzzzZZZZZZZZZZ! Waaaaaage ezzzzzz nichschschschscht!&#8221;<br />
Das Zischeln klang jetzt bedrohlich, und Janus fühlte, wie Angst in ihm aufstieg. Doch dann blickte er der Schlange in die Augen und sagte: &#8220;Du hast keine Macht, Schlange. Du bist klein und schwach, und ich sehe in Deinen Augen, dass Du Angst hast. Warum? Warum willst Du mehr scheinen, als Du in Wahrheit bist? Kannst Du denn nicht mit dem glücklich sein, was Du hast?&#8221;<br />
Die Schlange wurde unsicher, und zog ihren Kopf ein wenig zurück.<br />
&#8220;Wazzzzz redezzzzzzt Du da, Menschschschschschlein? Sszszzzzzzzzsssoll ich Dich jetzzzzzzzzt tötennnnn?&#8221;<br />
&#8220;Du könntest mich niemals töten, Schlange, selbst wenn Du es wolltest. Ich durchschaue Dich. Meine Augen kannst wohl täuschen, nicht aber mein Herz. Und die Macht jener, die Dir ihre Namen nannten, werde ich jetzt von Dir nehmen!&#8221;<br />
&#8220;ZZZzzzzzzzzschschschzzzzzssszzzz&#8230; Nein, nein, nichschschschscht! Ischschschsch werde Dischsssssssch in die Höhle lassssssszzzzzzen, wenn Du mir kein Leid annnnnntuzzzzzzzzzzzzzzzzzzt&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Ich will Dir kein Leid antun, Schlange. Ich will Dir helfen. Solange Du von der Macht anderer Wesen Besitz ergriffen hast, kannst Du Deine eigene Macht nicht finden.&#8221; Und mit diesen Worten legte Janus der Schlange seine Hände auf den Kopf, und liess die fremden Mächte, die dem Herzen der Schlange innewohnten frei.<br />
&#8220;ZZZZzzzzzzzschschschzzzzzsssssschschschzzzzzz&#8230; Nein, niiiiiiischschschschschschzzzzzszzsz&#8230;.&#8221; Doch es war zu spät. Die Schlange schrumpfte in sich zusammen, bis sie nicht mehr länger als Janus gross war.<br />
&#8220;Wassszzzszzzsssss haszzzzzzzzssst Du gethhhaaaaaaaaaaaaan&#8230;&#8221;, zischelte sie kläglich.<br />
&#8220;Still. Sei ganz still, Schlange. Sei still, und schau.&#8221;<br />
Janus hielt der Schlange eine spiegelnde Muschelschale vor die Augen,<br />
&#8220;Zzzzschschschschschsch&#8230;. Weeeeeeg damiiiiiiit&#8230;.&#8221;<br />
&#8220;Nein. Sieh her. Sieh Dich selbst. Du bist kein grosses Monstrum. Sieh Dich an!&#8221;<br />
Ob sie es nun wollte oder nicht, den Worten von Janus konnte sie nichts entgegensetzen und wandte ihren Blick der Muschelschale zu.<br />
&#8220;Zzzschschschsch&#8230; Aber&#8230; Daszzzzzzszzzzzz bin ichschschschzzzz?&#8221;</p>
<p>Was die Schlange sah, war keine grosse, dunkle, hässliche Schlange mehr. Sie sah einen kleinen, zierlichen, und wunderschönen goldenen Drachen.<br />
&#8220;Waszzzszzzzz&#8230;.&#8221;<br />
&#8220;Und hör auf zu zischeln, wunderschöner goldener Drache. Denn ich kenne Dein Volk, und ich kenne Deine Geschichte ebenso, wie ich Deinen Namen kenne. Ich weiss, warum ein Fluch auf Dir lastet und ich weiss, wer Dir das angetan hat. Dieses Wesen ist seit langen Jahren gebannt, es kann Dir und Deinem Volk nichts mehr anhaben. Und nun lass mich bitte in die Höhle.&#8221;<br />
Der goldene Drache war fassungslos und konnte zuerst garnichts sagen.<br />
&#8220;Das&#8230; Das ist wahr? So lange habe ich hier gelegen, ohne Mut, ohne HOffnung, nur mit dem Gedanken daran, mächtig genug werden, um den Fluch selber brechen zu können.&#8221;<br />
&#8220;Ich weiss.&#8221;, sagte Janus. &#8220;Genau das war ja der Fluch.&#8221;<br />
&#8220;Dann möchte ich Dir danken, und stehe in Deiner Schuld.&#8221;<br />
&#8220;Nein. Du schuldest mir nichts, denn nicht Schuld soll uns verbinden, sondern Freundschaft.&#8221;<br />
Mit diesen Worten schritt Janus in die Höhle, und er brauchte garnicht weit zu gehen, bis er das Kristallei gefunden hatte. Es war allerdings sehr gross, grösser als Janus selbst, fast so gross wie Áchior.<br />
Janus fragte sich, wie das wohl funktionieren sollte, als das Licht seiner Liebe das Ei umhüllte. Staunend sah Janus zu, wie das Ei immer kleiner wurde, zusammenschrumpfte, bis es nicht grösser als ein Hühnerei geworden war.<br />
&#8220;Es sind wahrlich neue Zeiten angebrochen.&#8221;, dachte er bei sich, nahm das Ei an sich und machte sich wieder auf den Weg an die Wasseroberfläche.</p>
<p>Àchior war sehr beunruhigt, denn Janus brauchte recht lange. Er wollte sich fast selbst in Todesverachtung ins Meer stürzen und sein Leben riskieren, als Janus´ Kopf aus der glatten Wasseroberfläche auftauchte.</p>
<p>&#8220;Janus, endlich. Du hast mir Angst gemacht!&#8221;, rief er ihm zu. &#8220;Aber Du bist zurück, und ich fühle, dass Du das Kristallei bei Dir hast. Doch wie soll ich Dich aus dem Wasser fischen?&#8221;<br />
Janus fiel dazu auch nichts ein, aber als er sich ernstlich fragte, ob er etwas falsch gemacht hatte, fühlte er etwas unter seinen Füssen, das ihn empor hob. Es war der goldene Drache, der ihn über die Wasseroberfläche trug, so dass Áchior ihn ergreifen und Janus auf seinen Rücken klettern konnte.</p>
<p>&#8220;Danke, wunderschöner goldener Drache. Ohne Deine Hilfe hätten wir ein grosses Problem gehabt, denn mein Freund kann dem Wasser nicht nahe kommen.&#8221;<br />
Doch der goldene Drache war schon wieder untergetaucht, denn wenn Áchior nicht im Wasser leben konnte, dann konnte er nicht an der Luft existieren.</p>
<p>&#8220;Wer war das?&#8221;, fragte Àchior.<br />
&#8220;Das ist eine seeeehr lange Geschichte, mein Freund, die ich Dir gerne einmal erzählen werde, wenn Du möchtest. Aber solltest Du jetzt nicht zurückkehren?&#8221;<br />
&#8220;Ja, Du hast recht. Mein Volk wartet schon lange auf mich, und das Kristallei muss von der Königin selbst ausgebrütet werden. Seit vielen Jahren bin ich schon unterwegs, und unsere Königin ist nicht mehr in der Lage, neue Drachen zu gebären. Es ist viel vorzubereiten, und meine Hilfe wird gebraucht. Aber wenn alles getan ist, wenn wir eine neue Königin haben, dann will ich Dich gerne wiedertreffen, Janus. Ist Dir übrigens aufgefallen, dass wir uns nicht mit unseren vollen Namen angesprochen haben?&#8221;<br />
&#8220;Hm. Jetzt, wo Du es sagst&#8230; Ja. Und ich weiss sogar, warum&#8230;&#8221;</p>
<p>So flogen die beiden Freunde zurück, und als sie wieder über dem Königreich Merl waren, bat Janus Àchior, eine andere Richtung einzuschlagen.<br />
&#8220;Ich fühle, dass meine Zeit dort, wo ich vorher war, vorbei ist. Es gibt nichts mehr für mich zu tun dort, zumindest nichts, was ich vor Ort tun könnte. Flieg nach Westen, lieber Freund!&#8221;</p>
<p>Und so flog Áchior bis zum Sonnenuntergang, er flog schnell, und sie brachten viele Meilen hinter sich, bis Janus sagte: &#8220;Hier! Bitte lande hier.&#8221;, und auf die Ausläufer eines hohen Gebirges deutete.</p>
<p>Der weisse Drache landete, und Janus rutschte von seinem Rücken.<br />
&#8220;Es ist Zeit, Janus.&#8221;<br />
&#8220;Ja. Hier. Nimm das Ei.&#8221;<br />
Er reichte Áchior das Kristallei, und dieser verschluckte es einfach.<br />
&#8220;Das ist die sicherste Art, es zu transportieren. Jetzt musst Du mich nur noch zurückschicken, mein Freund.&#8221;<br />
&#8220;Gerne. Bist Du bereit?&#8221;<br />
&#8220;Ja.&#8221;<br />
Janus schloss die Augen, aus seinem Herzen floss das reinweisse Licht der Liebe, und seine Stimme liess die Umgebung vibrieren, als er Àchiors vollen Namen aussprach: &#8220;FA ÁCHIOR AK ÉLCHÉM. DU BIST FREI ZU GEHEN, WO DIE WEISSEN DRACHEN DEINER HILFE HARREN. DIE LIEBE MEINES HERZENS TRAGE DICH DORTHIN.&#8221;<br />
Der weisse Drache verblasste rasch, und bevor er ganz verschwunden war, hörte Janus noch einmal seine Stimme.<br />
&#8220;Ich danke Dir, mein Freund. Auf bald&#8230;&#8221;</p>
<p>Janus stand noch eine Weile da, er fühlte sich etwas betrübt, dass der weisse Drache nicht mehr bei ihm war, denn er hatte ihn sehr lieb gewonnen in den wenigen Stunden. Doch er wusste, dass er Àchior wiedersehen würde.</p>
<p>So begann er, Holz für ein Feuer und ein Lager für die heraufziehende Nacht zu suchen&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.udokupsch.de/2009/12/mit-dem-weissen-drachen-fliegen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

